Zu Beginn jedes Jahres veröffentlicht das Deutsche Aktieninstitut (DAI) die Aktionärszahlen des vergangenen Jahres. Die letzten Aktionärszahlen stammen aus dem Jahr 2021. Zu Beginn nächsten Jahres werden die Aktionärszahlen für das Jahr 2022 veröffentlicht.

In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Aktionärszahlen 2021 und die vergangene Entwicklung der Aktionärskultur in Deutschland sowie die Aktionärsquote. Außerdem werden wir die Situation in Deutschland mit anderen Ländern wie den USA, der Schweiz und Schweden vergleichen.

Aktionärszahlen 2021 – Aktionäre Deutschland

Im Jahr 2021 waren rund 12,1 Millionen Menschen in Deutschland in Aktien, Aktienfonds und ETFs investiert. Somit war fast jeder sechste Deutsche über 14 Jahren am Kapitalmarkt engagiert. Im Vergleich zum Boom-Jahr 2020 war jedoch ein Rückgang von 280.000 Aktionären zu verzeichnen. Trotzdem haben sich die Aktionärszahlen nach dem starken Anstieg des vergangenen Jahres auf hohem Niveau stabilisiert. Laut dem Deutschen Aktieninstitut sei dies der dritthöchste Stand seit der Datenaufzeichnung.

Außerdem wurde von dem Institut ermittelt, dass in 2021 von 12,1 Millionen Anlegern 6,9 Millionen nur in Fonds oder ETFs investiert waren. 3,1 Millionen Deutsche waren hingegen direkte Aktionäre und haben ausschließlich in Aktien investiert. In Aktien, Fonds und ETFs gleichzeitig haben rund 2 Millionen deutsche Anleger investiert.

Regionale Unterschiede

Es gibt zudem einige regionale Unterschiede bei den Aktionärszahlen: Im Westen sind 18,6 Prozent der Gesamtbevölkerung am Kapitalmarkt investiert, während es im Osten nur 10,9 Prozent sind. Das Bundesland mit dem höchsten Anteil ist Bayern (23,2 Prozent), dicht gefolgt von Hessen mit 20,3 Prozent. In Sachen und Schleswig-Holstein sind jeweils ca. 16,9 Prozent der Gesamtbevölkerung in Aktien, ETFs und Fonds investiert. Den kleinsten Anteil an der Gesamtbevölkerung hatten Anleger in Brandenburg (7 Prozent), Sachsen-Anhalt (7,8 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (8,7 Prozent).

Geschlechter spezifische Unterschiede

Geschlechter spezifische Unterschiede - Aktionäre Deutschland
Frauen investieren nicht so häufig am Aktienmarkt wie Männer.

Nicht nur die Region spielt laut den Analysen des DAI eine Rolle, sondern auch das Geschlecht. Rund 65 Prozent aller Aktionäre sind Männer. Nur 4,3 Millionen Frauen investieren an der Börse.

Zudem ist ein Drittel aller Anleger in Deutschland über 60 Jahre alt. Obwohl die Börse klischeehaft eher für ältere wohlhabende Menschen interessant ist, verzeichnete die Gruppe der jungen Menschen im Jahr 2021 den größten Zuwachs an Börsianern. 49.000 Anleger unter 29 Jahren sind dazugekommen – ein gutes Zeichen! Man kann schließlich nie früh genug mit der Altersvorsorge und dem Investieren beginnen.

Der Anstieg sei vor allem auf die Zunahme von Finanzthemen auf Social Media und die zahlreichen neuen Trading-Apps fürs Smartphone zurückzuführen.

Deutsche Aktionärsquote

Nun zur Aktionärsquote: Diese gibt den Anteil von Aktionären an der Gesamtbevölkerung an. In Deutschland ist diese Kennzahl aber kein Bestandteil der amtlichen Statistik, sondern wird ebenfalls vom Deutschen Aktieninstitut bei einer repräsentativen Umfrage erhoben.

In Deutschland beschreibt die Aktionärsquote den Anteil der Aktienbesitzer über 14 Jahren an der Gesamtbevölkerung. Dabei wird der Besitz von Aktien genauso berücksichtigt wie der von Aktienfonds und passiven Aktien-ETFs. Ignoriert werden alle anderen Formen der Kapitalanlage in Aktien wie über Versicherungen (z. B. Lebensversicherungen).

Im Jahr 2021 betrug die Aktionärsquote in Deutschland 17,1 Prozent.

Aktionärsquote nach Beruf

Ebenfalls interessant ist die Aktionärsquote nach Beruf, welche das Deutsche Aktieninstitut im Jahr 2013 untersuchte. So war der Anteil an Anlegern besonders hoch unter leitenden Angestellten und Beamten (rund 29,5 Prozent). Bei Selbstständigen und Freiberuflern betrug der Anteil der Aktionäre in 2013 28,3 Prozent. 27,7 Prozent der nicht in leitenden Positionen tätigen Beamten besaßen in diesem Jahr Aktien, ETFs und Aktienfonds. Auszubildende, Schüler und Arbeiter waren mit Anteilen von unter 4 Prozent im Jahr 2013 nur sehr schwach am Kapitalmarkt investiert.

Aktionärsquote nach Bildungsgrad

Aktionärsquote nach Bildungsgrad

Im Jahr 2013 wurden auch die Unterschiede hinsichtlich des Bildungsgrads analysiert. Deutsche mit (Fach-)Abitur hatten mit einem Anteil von 25,9 Prozent relativ viele Aktionäre unter sich, während der Anleger-Anteil bei Menschen mit mittlerer Reife nur bei 11,8 Prozent lag. Am wenigsten Aktionäre gab es mit 6,5 Prozent unter den Hauptschulabsolventen.

Vergangene Entwicklung – Aktionäre Deutschland

Bei einem Blick auf die historische Entwicklung der Aktionärsquote in Deutschland fällt auf, dass diese sehr von Schwankungen betroffen ist. Diese Schwankungen lassen sich auf die Auf und Abs der Börse zurückführen.

In einem Bullenmarkt (Hausse) steigen viele Privatanleger in den Aktienmarkt ein und verlassen diesen wieder in einem Bärenmarkt (Baisse).

JahrAktionärsquote
19978,9 Prozent
199810,7 Prozent
199912,9 Prozent
200018,5 Prozent
200120,0 Prozent
200218,0 Prozent
200317,3 Prozent
200416,2 Prozent
200516,6 Prozent
200615,8 Prozent
200715,9 Prozent
200814,4 Prozent
200913,6 Prozent
201012,9 Prozent
201113,1 Prozent
201214,7 Prozent
201313,8 Prozent

Die Aktionärsquote im internationalen Vergleich

Im Jahr 2016 untersuchte das Deutsche Aktieninstitut die Aktionärsquote verschiedener Länder und verglich diese miteinander. Im internationalen Vergleich gibt es tatsächlich große Unterschiede, wie du dem nachfolgenden Ranking entnehmen kannst.

Beachte: Bei diesem Vergleich wurde der Anteil direkter Aktionäre an der Gesamtbevölkerung verglichen, also der Anteil der Anleger, der direkt in Einzelaktien investiert.

  1. Niederlande (30 Prozent)
  2. Japan (28 Prozent)
  3. USA (25 Prozent)
  4. Großbritannien (23 Prozent)
  5. Schweiz (20 Prozent)
  6. Schweden (19 Prozent)
  7. Frankreich (15 Prozent)
  8. Österreich (7 Prozent)
  9. Deutschland (6 Prozent)

Fazit zur Deutschen Aktionärskultur

Die Top 5 Dividenden Aktien aus Deutschland

Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Deutschen eher Aktienmuffel.

Das ist schade, denn heutzutage sollte man sich nicht allein auf die gesetzliche Rente verlassen und lieber selbst vorsorgen. Das funktioniert in der momentanen Niedrigzinsphase am besten mit ETFs, Aktienfonds und Einzelaktien.

Wer das Risiko richtig streut, indem er in einen kostengünstigen Welt-ETF wie den MSCI World investiert, geht ein vergleichsweise geringes Risiko ein. Aktien steigen langfristig und sind deshalb der einzige Weg, ein Vermögen aufzubauen, ohne ein eigenes Unternehmen zu gründen. Auf dem Sparbuch gibt es schließlich keine Zinsen mehr.

Wie sich zeigt, mangelt es in Deutschland auch an Finanzbildung. In vielen Köpfen wird der Aktienmarkt immer noch mit den Reichen assoziiert. Vorurteile wie, dass der Aktienmarkt nur etwas für Wohlhabende sei oder Aktien „Teufelszeug“ seien, halten sich gut in der breiten Bevölkerung.

Deshalb braucht es mehr Finanzbildung an deutschen Schulen. Außerdem fordert das Deutsche Aktieninstitut, dass die Regierung bessere Rahmenbedingungen für die Aktienanlage schafft. So sollen Aktiengewinne nach einer bestimmten Haltedauer steuerfrei sein und der Kapitalmarkt soll ein fester Baustein der Altersvorsorge werden.