Es gibt für Anleger viele Gründe, warum es sich lohnen könnte, das eigene Depot abzusichern und so sein investiertes Geld vor Verlust zu schützen. Was ist, wenn du z.B. in den Urlaub fährst und deine Aktien, ETFs und Co. nicht sich selbst überlassen möchtest?

Immerhin muss es an der Börse nicht immer nur nach oben gehen. Auch große Kurseinbrüche und damit einhergehende Verluste sind möglich.

Deshalb zeigen wir dir in diesem Beitrag, wie du deine Aktien absichern kannst und so dein Aktiendepot „allwetterfest“ machst.

Dieser Beitrag ist Teil des Erfolgsquelle-Börsenlexikons.

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Überblick über die Absicherungsmöglichkeiten

Die folgenden 6 Möglichkeiten, das eigene Wertpapierdepot abzusichern, zählen zu den sinnvollsten, sichersten und bekanntesten. Welche der Möglichkeiten für dich letztendlich die beste ist, darauf werden wir später noch etwas genauer eingehen.

  • Stopp Loss Order
  • Trailing Loss Order
  • Put-Optionen
  • Put-Optionsscheine
  • Zertifikate
  • CFDs (Differenzkontrakte)

Langfristige oder kurzfristige Absicherung?

Wenn du deine Aktien absichern möchtest, spielt es eine entscheidende Rolle, ob du das Ganze nur kurzfristig oder langfristig machen möchtest.

Denn für eine kurzfristige Absicherung empfiehlt sich z.B. eine andere Möglichkeit als für eine Dauer von beispielsweise 3 Monaten. Wie du siehst, gibt es bezüglich der verschiedenen Absicherungsmöglichkeiten einige Unterschiede, zu denen wir gleich noch kommen werden.

Mit einigen der Möglichkeiten kannst du dir zudem unter Umständen Kapital dazuverdienen. Wieder andere sind lediglich für die reine Absicherung gut und bieten keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Variante 1 ist hierbei mit Kapitaleinsatz verbunden und Variante 2 kostenlos.

Solltest du eine langfristige Anlagestrategie von mindestens 10 Jahren verfolgen, brauchst du in der Regel keine Absicherung deines kompletten Depots vornehmen. Striktes Buy & Hold ist nämlich eine der besten Methoden für nachhaltigen Vermögensaufbau.

Limit Orders – Aktien absichern

Limit Orders - Aktien absichern
Welche Limit-Orderarten gibt es?

Je nachdem bei welchem Broker oder welcher Bank du bist, hast du die Möglichkeit, Stopp- und Trailing Loss Orders zur Absicherung deines Depots zu nutzen. Allerdings bietet nicht jeder Broker diese Ordertypen an.

Vor allen Dingen bei Billigbrokern könnte diese Methode zum Aktien absichern nicht möglich sein.

Stopp Loss

Die einfachste Variante, um eine Aktie abzusichern, ist die Stopp Loss Order. Bei der Stopp Loss Order erteilst du deiner Bank den Auftrag, die jeweilige Aktie zu verkaufen, sobald sie einen bestimmten Kurs erreicht hat.

Beispiel: Du hast eine Aktie für 30 € gekauft und in den wenigen Tagen vor deinem Urlaub, ist diese sehr volatil, also hohen Kursschwankungen ausgesetzt. An einem Tag fällt der Kurs auf 25 €, am nächsten ist er wieder bei 35 €. Du entscheidest dich deshalb einen Stop Loss bei 33 € zu setzen, sodass du während deines Urlaubs keinen Verlust machst, da du nicht die ganze Zeit dein Depot überwachen kannst.

Sollte deine Aktie nun auf 33 € fallen, wird sie automatisch verkauft.

Trailing Loss

Die Trailing Loss Order funktioniert ähnlich wie die Stop Loss Order. Diese orientiert sich jedoch nicht am Kurs, sondern an der prozentualen Entwicklung des Basiswertes. Mit einer Trailing Loss Order profitierst du deshalb vor dem automatischen Verkauf auch noch von weiteren Kursgewinnen.

Hierzu wieder ein Beispiel: Deine Aktie notiert vor Urlaubsbeginn bei 35 € und du hast eine Trailing Loss Order von fünf Prozent bei deiner Bank oder deinem Broker aufgegeben, um nach deiner Abwesenheit nicht in ein rotes Depot schauen zu müssen. Deine Aktie würde deshalb automatisch bei einem Kurs von 33,25 € (=35 – (35*5 %)) verkauft werden, da sie um 5 % gefallen ist.

Steigt der Aktienkurs hingegen auf 36 €, so erhöht sich auch der Kurs, bei dem die Order auslösen würde. Dieser läge dann bei 34,20 €. Genauso wie oben würde deine Aktie hier bei einer negativen Kursentwicklung von mehr als 5 %, gemessen am aktuellen Basiswert, verkauft werden.

Put-Optionen – Aktien absichern

Put-Optionen
Was ist eine Put-Option?

Eine weitere Möglichkeit, um dein Depot abzusichern, sind die Put-Optionen, welche zusätzlich zur Absicherung noch eine Ertragschance bieten. Du kannst mit diesen also sogar Gewinn machen. Dafür ist jedenfalls Einsatz von Kapital notwendig. Geschenkt wird dir im Leben nämlich nichts 😉.

Put-Optionen werden am Terminmarkt gehandelt und sind ein Termingeschäft bzw. Kontrakt zwischen Käufer und Verkäufer der jeweils abzusichernden Aktie.

Wie funktioniert´s: Ähnlich wie bei einem Optionsschein hast du als Käufer einer Put-Option das Recht, aber nicht die Pflicht, eine bestimmte Aktie, für welche die Option gilt, zu einem späteren Zeitpunkt für einen vorab vereinbarten Preis zu verkaufen (put).

Als Käufer einer Put-Option spekulierst du darauf, dass der Kurs deiner zugrundeliegenden Aktie fällt und du diese dann durch die Option zu einem höheren Preis verkaufen kannst. So machst du unter Umständen Gewinn.

Put-Optionen: Vor- und Nachteile

Die Vor- und Nachteile von Put-Optionen sind wie folgt.

Vorteile:

  • Die Absicherung ist leichter zu berechnen als bei Optionsscheinen
  • Es gibt kein Emittentenrisiko
  • Durch steigende Volatilität gewinnen deine Put-Optionen überproportional an Wert

Nachteile:

  • Du brauchst Zugang zum Terminmarkt
  • Der erforderliche Kapitaleinsatz ist meist höher als bei Put-Optionsscheinen
  • Durch die zeitlich begrenzte Laufzeit musst du eine gute Prognose der Kursentwicklung machen

Put-Optionsscheine – Aktien absichern

Put-Optionsscheine
Was sind Put-Optionsscheine?

Put-Optionsscheine ähneln, wie bereits geschrieben, den Put-Optionen, sind jedoch börsengehandelte und verbriefte Rechte. Put-Optionen steigen immer in ihrem Wert, wenn der Kurs der jeweiligen Aktie fällt.

Als Investor kannst du am Ende der Laufzeit des Put-Optionsscheins entscheiden, ob du die Aktie wirklich zu dem vorher festgelegten Wert verkaufen möchtest oder ob du stattdessen den Optionsschein an der Börse verkaufen willst.

Wie viel kostet die Absicherung des eigenen Depots mit Put-Optionsscheinen?

Du hast beispielsweise 10.000 € in DAX-Werte investiert und möchtest diesen Betrag nun mit Put-Optionsscheinen auf den DAX absichern. Der DAX steht in unserem Beispiel momentan bei 12.000 Punkten. Die Berechnung lautet deshalb wie folgt, wenn du beachtest, dass das Verhältnis im DAX 1:100 beträgt: 10.000 / 12.000 * (1/0,1).

Das ergibt 83,33. Du bräuchtest demnach 83 Optionsscheine, um dein Depot voller DAX-Aktien abzusichern. Wird ein Optionsschein aktuell mit sechs Euro gehandelt, kostet dich der Spaß 498 €.

Put-Optionsscheine: Vor- und Nachteile

Die Nutzung von Put-Optionsscheinen zum Aktien absichern hat die folgenden Vor- und Nachteile.

Vorteile:

  • Die benötigte Summe an Optionsscheinen kann mit einer ganz einfachen Formel berechnet werden
  • Optionsscheine können im Gegensatz zu Optionen über die Börse gehandelt werden
  • Es gibt eine große Auswahl an Put-Optionsscheinen
  • Der erforderliche Kapitaleinsatz ist überschaubar
  • Bei steigender Volatilität nehmen Put-Optionsscheine überproportional an Wert zu

Nachteile:

  • Optionsscheine bergen das Risiko eines Totalverlusts
  • Die Preisbildung ist teilweise intransparent
  • Der Emittent kann den Kurs zu deinen Ungunsten beeinflussen
  • Aufgrund der begrenzten Laufzeit musst du auch hier zeitlich zutreffende Kursprognosen machen können

Zertifikate – Aktien absichern

Reverse-Bonuszertifikate - Aktien absichern
Reverse-Bonuszertifikate

Bei den Zertifikaten gibt es eine große Auswahl. Am Besten für die Absicherung deines Depots eignet sich hierbei ein Reverse-Bonuszertifikat.

Das klassische Bonuszertifikat sieht vor, dass der Kurs deiner abzusichernden Aktie nicht über einen bestimmten Wert hinaussteigt. Deshalb ist die Vorgehensweise bei einem Reverse-Bonuszertifikat genau umgekehrt: Du setzt darauf, dass der Kurs der jeweiligen Aktie nicht unter einen bestimmten Wert fällt und erhältst, sofern dies nicht eintritt, einen Bonus ausgezahlt.

Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung:

Der Kurs deiner abzusichernden Aktie liegt vor deinem Urlaub bei 100 € und das von dir ausgesuchte Reverse-Bonuszertifikat zahlt dir einen Bonus, solange der Aktienkurs nicht auf unter 85 € fällt. Der vom Zertifikat zugrunde gelegte Ausgangskurs liegt jedoch bei deutlich über 100 €, beispielsweise 115 €. Wenn deine Aktie während des Urlaubs also beispielsweise auf 90 € fällt, machst du zwar Verlust mit ihr bekommst aber am Ende der Zertifikatslaufzeit einen Bonus ausgezahlt, sofern in der Zwischenzeit nicht die Barriere von 85 € erreicht wurde. Den Verlust kannst du dadurch ausgleichen und gegebenenfalls sogar noch Gewinn machen.

Da die Zertifikats-Laufzeiten meist über die Dauer eines Urlaubs hinausgehen, kannst du Zertifikate vorzeitig an der Börse verkaufen, sofern kein Bedarf mehr besteht. Das macht allerdings nur Sinn, wenn beim Verkauf kein Verlust entsteht.

Aufgrund der normalerweise langen Laufzeit von Zertifikaten lohnt sich deren Einsatz auch in volatilen Marktphasen zur Absicherung deines Depots.

Zertifikate: Vor- und Nachteile

Zertifikate: Vor- und Nachteile
Welche Vor- und Nachteile hat das Aktien absichern mit Zertifikaten?

Die Vor- und Nachteile von Zertifikaten zum Aktien absichern sind wie folgt.

Vorteile:

  • Die Absicherung kannst du einfach berechnen
  • Zertifikate sind an der Börse handelbar
  • Es gibt eine große Auswahl
  • Die Preisbildung ist komplett transparent
  • Als Open-End Wertpapiere ermöglichen Zertifikate eine lange Haltedauer

Nachteile:

  • Zertifikate haben ein Emittentenrisiko
  • Es besteht außerdem das Risiko, dass deine Aktie die Knock-Out Schwelle erreicht oder unterschritt, sodass das Zertifikat wertlos verfällt
  • Der Basispreis bleibt nicht konstant
  • Es ist eine recht teure Form der Depotabsicherung

CFDs (Differenzkontrakte)

CFDs bieten dir ebenfalls die Möglichkeit durch das Spekulieren auf Kursverluste, dein Wertpapierdepot abzusichern.

Du möchtest beispielsweise eine Aktienposition von 10.000 € mit einem CFD absichern. Die Einlage für deutsche Aktien beträgt hierbei 20 Prozent, weshalb du 2.000 € (die sogenannte Margin) einzahlen musst, um 10.000 € zu investieren. Die Differenz von 8.000 € stellt dir dein Broker oder deine Bank über ein buchhalterisches Darlehen zur Verfügung.

Wenn der Kurs der jeweiligen Aktie nun um 20 Prozent fällt, erhältst du 2.000 € abzüglich der Brokergebühren ausgezahlt.

In der Regel handelt man CFDs taggleich, weshalb für Übernachtpositionen zusätzliche Zinsen für das geliehene Geld deines Brokers anfallen.

CFDs eignen sich im Übrigen eher für kurzfristiges Aktien absichern und sind nur für sehr erfahrene Anleger empfehlenswert, da sie hochkomplex sind.

Mehr über den Handel mit CFDs liest du hier.

Fazit – Aktien absichern

Fazit - Aktien absichern

Optionen, Zertifikate sowie CFDs bieten dir neben der Möglichkeit, deine Aktien abzusichern, ebenfalls die Chance, zusätzliches Kapital zu verdienen. Für eine Absicherung mit diesen Möglichkeiten ist jedoch Kapitaleinsatz erforderlich.


Die Stopp Loss Order verhindert kurz gesagt nur den Verlust, aber bietet keine Gewinnaussichten. Bei der Trailing Loss Order sieht dies schon etwas anders aus. Mit diesem Ordertyp wird dir das Aktien absichern und die Gewinnmitnahme aus zunächst steigenden Kursen ermöglicht.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Kurs nicht direkt am nächsten Tag um den angegeben Prozentsatz fällt. Der Vorteil der Limit Orders ist, dass hier keine weitere Investition zum Aktien absichern notwendig ist.

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