Weißt du was man unter antizyklischem Verhalten versteht und was es in Bezug auf den Aktienmarkt bedeutet? Nein?

Kein Problem!

Im heutigen Beitrag erklären wir dir antizyklisches Verhalten am Aktienmarkt und was es mit antizyklischer Finanzpolitik auf sich hat. Das sind zwei Dinge, über die jeder erfolgreiche Investor Bescheid wissen sollte.

Dieser Beitrag ist Teil des Erfolgsquelle-Börsenlexikons.

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Was versteht man unter antizyklisch?

Antizyklisch beschreibt ein Verhalten, welches sich gegen das erwartete oder gängige Verhaltensmuster richtet. Der Begriff wird vor allem in Bezug auf die Geldanlage und Wirtschaftspolitik genutzt.

Im wirtschaftlichen Kontext bedeutet antizyklisches Verhalten, gegen Trends oder die allgemeine Erwartung zu handeln. Das Gegenteil von antizyklisch ist prozyklisch.

Antizyklisches Verhalten am Aktienmarkt

Wie bereits erwähnt, beschreibt der Begriff ein bestimmtes Verhalten am Aktienmarkt.

Wenn du antizyklisch investierst, ist dein Kauf- und Verkaufsverhalten gegensätzlich der Erwartungen des allgemeinen Marktes. Du gehst davon aus, dass sich der Trend bald umkehren wird und kaufst z.B. Aktien, die gerade „günstiger“ sind, weil ihre Kurse eingebrochen sind. Genauso wäre es antizyklisch, eine Aktie zu verkaufen, deren Kurs in letzter Zeit stark gestiegen ist.

Die Strategie basiert auf der Theorie, dass die meisten Anleger nicht rational handeln und das Verhalten der breiten Masse nachahmen. Antizyklische Investoren können durch das irrationale Verhalten der anderen Anleger ggf. hohe Gewinne erzielen.

Wenn du ein gutes Fundamentalwissen in den Bereichen Wirtschaft, Börse und Aktien hast, kannst du Unternehmen und ihre Aktien sehr genau analysieren. Am Ende deiner Analyse weißt du, ob eine Aktie fair bewertet ist oder nicht.

Antizyklische Investoren haben das gleiche Ziel wie Fundamentalanalysten: Aktien zu einem möglichst günstigen Preis kaufen und bei einem hohen wieder verkaufen.

Trotzdem ist eine antizyklische Anlagestrategie nicht ganz risikolos, denn für Rücksetzer und Kurseinbrüche kann es aus auch nachhaltige Gründe geben. Es kann also nicht garantiert werden, dass eine Aktie später wieder wie gewünscht steigen wird. Vielleicht stagniert der Aktienkurs oder fällt sogar weiter.

Anleger, die prozyklisch investieren, verhalten sich übrigens genau umgekehrt: Sie gehen mit dem Trend und kaufen Aktien nach dem Motto „The trend is your friend.“.

Antizyklische Aktien

Auch einige Aktien werden aufgrund ihrer Eigenschaften als „antizyklisch“ beschrieben.

Antizyklische Aktien sind Aktien, die in wirtschaftlich schwächeren Zeiten konstant bleiben und im Gegensatz zum sonstigen Markt weiter steigen. Antizyklische Aktien sind konjunkturunabhängig und bewegen sich in Zeiten eines „Bärenmarkts“ ebenfalls aufwärts oder seitwärts – aber nicht abwärts.

Grundsätzlich gibt es nur wenige antizyklische Aktien. Meistens sind es Anteile von Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs produzieren oder sich um alltägliche Dinge wie die Abfallverwertung kümmern.

Wegen dem verminderten Risiko sind die Renditechancen einer antizyklischen Aktie deutlich geringer als die einer zyklischen oder Wachstumsaktie. Antizyklische Aktien sind hauptsächlich für risikoscheue Anleger geeignet, die auf Stabilität und Sicherheit setzen wollen. Meist handelt es sich um die Aktien großer Unternehmen, die eine regelmäßige und wachsende Dividende ausschütten.

Antizyklische Finanzpolitik – antizyklisches Verhalten

Antizyklisches Verhalten spielt nur an der Börse eine Rolle, sondern auch in der Politik. Regierungen können entsprechende Finanzprogramme ins Leben rufen, um die Schwankungen einer Konjunktur zu reduzieren bzw. ihre Ausschläge zu glätten.

Das passiert normalerweise, wenn die Konjunktur schwächelt – die Wirtschaft also nicht mehr so stark weiterwächst. Die Regierung setzt dann auf antizyklische Investitionen, um eine Rezession zu verhindern.

Theoretische Grundlage der antizyklischen Wirtschaftspolitik ist die Beschäftigungstheorie von John Maynard Keynes, die den Grund für Beschäftigungsschwankungen und Arbeitslosigkeit in einer zu geringen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sieht. Nach dieser Theorie können konjunkturelle Schwankungen gemildert werden, indem die Finanzpolitik sich antizyklisch verhält – entgegengesetzt des Konjunkturverlaufs.

Wenn es einen konjunkturellen Abschwung gibt, sollte der Staat die Nachfrage beleben, indem er beispielsweise die Steuern senkt, die Staatsausgaben erhöht oder Unternehmen subventioniert.

In konjunkturellen Hochphasen sind hingegen Steuererhöhungen oder Senkungen der öffentlichen Ausgaben angebracht, um die Konjunktur nicht zu überhitzen und einen Preisanstieg (Inflation) zu verhindern.

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