Sicherlich hast du schon einmal die Abkürzung „ADR“ gehört – Doch was verbirgt sich hinter dieser? Handelt es sich um eine Aktie oder etwas Anderes? Was gibt es beim Kauf und Verkauf von ADRs zu beachten?

All diese Fragen werden wir dir im folgenden Beitrag beantworten.

Dieser Beitrag ist Teil des Erfolgsquelle-Börsenlexikons.

Weitere Informationen zu unserem Börsenlexikon findest du hier.

Was ist ein ADR also konkret?

Ein ADR ist ein Zertifikat, dass zum Kauf- und Verkauf einer Aktie berechtigt. Es ist nicht dasselbe wie eine Aktie.

ADR ist hierbei eine Abkürzung für „American Depositary Receipt“. ADRs werden, wie ihr Name schon vermuten lässt, stellvertretend für andere Aktien an der US-Börse gehandelt. Sie sind Hinterlegungsscheine, die das Eigentum an Aktien von Nicht-US-Unternehmen verbriefen.

Weil es sich nicht um echte Aktien handelt, sind ADRs als Finanzprodukte anzusehen. In der Regel kannst du entweder die tatsächliche Aktie oder das ADR der Aktie kaufen. Beides gleichzeitig geht normalerweise nicht.

Ein American Depositary Receipt kann sich außerdem auf mehrere Aktien oder nur einen Bruchteil einer entsprechenden Aktie beziehen. Aufgrund ihrer Herkunft werden sie ausschließlich in US-Dollar gehandelt.

Die verschiedenen ADR-Arten

Bei ADRs unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Arten. Sie unterscheiden sich darin, von wem die Initiative ausging, einen ADR aufzulegen.

Unsponsored ADRs

Unsponsored ADRs gibt es eher selten.

Die Initiative, einen ADR aufzulegen, geht bei dieser Art von einer Depotbank oder einem Händler in den USA aus.

Sponsored ADRs sind das Gegenstück zu Unsponsored ADRs und sind die am häufigsten vorkommende Art von American Depositary Receipts.

Die Initiative, einen ADR aufzulegen, geht hierbei von dem jeweiligen Unternehmen aus, für dessen Aktien es ein ADR geben soll.

Das Unternehmen sucht sich dafür eine amerikanische Depotbank aus, die sich dazu bereiterklärt, die Zertifikate auf die entsprechenden Aktien herauszugeben, wieder zurückzunehmen sowie Dividenden auszuzahlen.

Die drei Level der Sponsored ADRs

Sponsored ADRs können in ingesamt drei Level kategorisiert werden, die wir dir nun vorstellen.

Level 1 – American Depositary Receipt

Zu den Level 1 Sponsored ADRs zählen Zertifikate (ADRs), die auf bereits bestehende Aktien herausgegeben werden. Es entsteht kein neues Kapital.

Außerdem ist diese Kategorie dadurch gekennzeichnet, dass kein neues Lisiting an einer US-Börse erstellt wird, weil der Handel lediglich außerbörslich stattfindet.

Der Aufwand für das Unternehmen, von dem die Initiative ausging, ist deshalb deutlich geringer, da es nicht von Offenlegungspflichten gemäß den US-GAAP betroffen ist.

Level 2 – American Depositary Receipt

Börsenjahr 2020 Rückblick
Level 2 ADRs sind an der US-Börse gelistet.

Auch bei dieser Kategorie von Sponsored ADRs werden die ADRs auf bereits bestehende Aktien herausgegeben, wodurch kein neues Kapital entsteht.

Das Ziel ist im Vergleich zu Level 1 American Depositary Receipts allerdings ein Listing an der US-Börse, weshalb die Erstellung von Geschäftsberichten erforderlich ist.

Meldungen an die US-Börsenaufsicht „Securities and Exchange Comission“ sind Pflicht.

Level 3 – American Depositary Receipt

Level 3 umfasst alle Zertifikate (ADRs), die auf neue Aktien am US-Markt herausgegeben werden. Es entsteht im Gegensatz zu den anderen Methoden / Kategorien neues Kapital für das Unternehmen.

Die ADRs werden dementsprechend an der US-Börse gehandelt und die Konzernbilanzierung nach den US-GAAP ist für das Unternehmen verpflichtend.

Warum gibt es ADRs?

Eine Frage, die dir sicherlich unter den Fingernägeln brennt, ist, warum gibt es überhaupt ADRs.

Die Antwort ist simple: ADRs werden aufgelegt, um die Aktien ausländischer Firmen einfacher handelbar zu machen.

Als Beispiel wären Aktien aus China sonst nicht in Deutschland handelbar, weil es für deutsche Aktionäre seitens der chinesischen Regierung nicht erlaubt ist, chinesische Aktien zu halten. Viele Unternehmen aus China wie beispielsweise Alibaba, Baidu und JD.com nutzen American Depositary Receipts für ihre Listings am New York Stock Exchange. So können sie auch von ausländischen Investoren Kapital einsammeln.

An der ISIN eines Wertpapiers kannst du meist schnell erkennen, ob es sich um ein ADR handelt (US…).

Für die chinesische Regierung ist es enorm von Vorteil, dass es ADRs gibt, weil sie so zum einen die Kontrolle über nationale Firmen behalten kann, zum anderen aber chinesische Unternehmen für ausländische Investitionen attraktiv macht.

Ein weiterer Grund für American Depositary Receipts ist, dass diese im Gegensatz zu normalen Aktien kein vollständiges Zulassungsverfahren in Amerika durchlaufen müssen, um an der US-Börse handelbar zu sein. Genauso wie Aktien kann jeder Investor ADRs kaufen und dadurch das Recht auf die Aktie handeln.

Welche Risiken gibt es beim Kauf von ADRs zu beachten?

Aufgrund dessen, dass es sich bei American Depositary Receipts nicht um die wirklichen Aktien handelt, ist der Handel mit diesen ein wenig risikoreicher als der mit den tatsächlichen Aktien.

Doch gerade bei chinesischen Unternehmen bleibt einem in der Regel keine andere Wahl. Wenn jedoch neben dem ADR auch die tatsächliche Aktie handelbar ist, bist du mit der Aktie besser beraten.

Das hat den Grund, dass ein ADR einen weiteren Abstraktionsschritt darstellt und es sich um ein Finanzprodukt mit gewissen Risiken handelt. Es ist zum Beispiel leichter, dich von einem ADR als einer Aktie zu enteignen.

Das Unternehmen, dessen Aktien du über ADRs handelt, könnte zudem entscheiden, dass alle ADRs hinfällig bzw. ungültig werden und in echte Aktien konvertiert werden müssten. Bei vielen chinesischen Unternehmen würdest du in einem solchen Fall aufgrund der strengen Handelsbeschränkungen faktisch auf deinen wertlosen ADRs sitzenbleiben.

Gleichermaßen besteht das Risiko, dass die Bank, die die Zertifikate herausgibt, bankrott geht (Emittentenrisiko). Einen „echten“ Sachwert kaufst du mit einem American Depositary Receipt nicht.

Abgrenzungen der Begriffe ADR, ADS, GDR

Vielleicht hast du in Verbindung mit der Abkürzung ADR ebenfalls die Begriffe ADS oder GDR gehört. Was diese Begriffe genau bedeuten, erfährst du in diesem Abschnitt. Allgemein gesagt gehören die Begriffe eng zusammen.

  • „ADR“ bezeichnet ein US-amerikanisches Zertifikat, das die Handelsrechte einer Aktie verbrieft
  • „ADS“ ist die Abkürzung für American Depositary Share, womit die eigentliche Aktie gemeint ist, deren Handelsrechte durch ein ADR-Zertifikat verbrieft werden
  • „GDR“ steht für ein Global Depositary Receipt, welches im Grunde genommen das Gleiche wie ein ADR ist, jedoch mit dem Unterschied, dass ein GDR an einem anderen internationalen Börsenplatz gelistet ist (z.B. London)

Damit du wirklich korrekt verstehst, was ADRs sind, hier noch ein Video, das die Thematik anschaulich erklärt:

Inhalte werden geladen