Das deutsche Rentensystem steht massiv unter Druck. Die Geburtszahlen sinken und es gibt immer mehr Rentner, die zudem immer älter werden.

Wer zahlt meine Rente und wie sicher ist sie noch?

Das sind berechtigte Fragen, die wir in diesem Beitrag beantworten möchten.

Generell ist es mit der Rente und der Altersvorsorge ein wenig wie mit der Steuererklärung: Man weiß, dass man sich irgendwann damit beschäftigen muss, verschriebt es aber immer wieder auf morgen.

Viele Deutsche, zu denen wahrscheinlich auch du zählst, vermuten bereits, dass es mit ihrer Rente im Alter knapp werden könnte. Schon heute gilt fast ein Fünftel der über 65-Jährigen als armutgefährdet.

Von Politikern gibt es stets zu hören: „Die Rente ist sicher.“ – Aber wie? Das Vertrauen in solche Aussagen verpufft zunehmend. Der sogenannte demographische Wandel, also dass immer mehr Menschen alt werden und es weniger junge Menschen auf der anderen Seite gibt, macht unserem Rentensystem ordentlich zu schaffen. Im Jahr 1962 finanzierten noch rund sechs Menschen einen Rentner und heute sind es nur 1,8 Menschen.

Dass das nicht funktioniert, zeigen die bisherigen Entwicklungen. Seit Jahren werden hohe Steuersummen in die Kassen der Rentenversicherung gepumpt, um das Rentendefizit auszugleichen. Im Jahr 2020 waren es ungefähr 100 Milliarden Euro.

Damit du die Problematik besser verstehen kannst, werfen wir nochmal einen kurzen Blick auf die Funktionsweise des deutschen Rentensystems.

Wie funktioniert das gesetzliche Rentensystem?

„Kinder bekommen die Leute immer.“

Genau das sagte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer bei der Einführung des Generationenvertrags im Jahr 1957, welcher die gesetzliche Rentenversicherung nachhaltig veränderte.

Seitdem finanzieren die derzeit Erwerbstätigen die Renten der derzeitigen Rentner. Durch dieses sogenannte Umlageverfahren erhöhte sich die gesetzliche Rente ab 1957 deutlich.

Vorher bekamen die Rentner nämlich nur ihre selbst eingezahlten Beiträge wieder ausgezahlt. Mit der Einführung des Generationenvertrags wurden auch die meist höheren Löhne mit einbezogen.

Adenauer lag mit seiner Einschätzung falsch, wie wir heute wissen.

Momentan zahlen rund 2/3 der 45 Millionen Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Jeden Monat fließen 18,6 Prozent ihres Bruttogehalts in die Rentenkasse. Die eine Hälfte zahlt der Arbeitgeber, die andere der Arbeitnehmer.

Außerdem gibt es seit einiger Zeit eine Höchstgrenze für Einzahlungen, sodass die gesetzlichen Rentenansprüche nach oben hin gedeckelt sind.

Immer wenn du in die Rentenversicherung einzahlst, erwirbst du gewisse Rentenansprüche. Je mehr du also einzahlst, desto höher wird deine Rente später sein.

Menschen, die momentan in Rente sind und somit 45 Jahre lang in die Rentenkassen eingezahlt haben, bekommen knapp die Hälfte ihres Durchschnittseinkommens als Rente. Das Rentenniveau ist über die vergangenen Jahrzehnte jedoch stark gesunken, weshalb unter Politikern der Konsens herrscht, dass die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr der alleinige Teil der Altersvorsorge sein sollte.

Kümmere dich deshalb auch um eine private sowie betriebliche Vorsorge.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt sogar Folgendes offiziell zu: „Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Beitragssatz zur Rentenversicherung langfristig steigen. Außerdem wird das Rentenniveau langfristig sinken.“

Anpassungen des Systems

Konrad Adenauer - Selbstbewusstsein Sprüche
Der berühmte Mann Konrad Adenauer | Bild von Bundesarchiv, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 DE

Zu Adenauers Amtszeit wusste man noch Nichts vom demographischen Wandel, der einige Zeit später eintrat.

Deshalb wurde das deutsche Rentensystem in seiner ursprünglichen Form schon zahlreiche Male reformiert und angepasst.

Beispielsweise gilt die gesetzliche Rente seit 2002 offiziell nicht mehr als Ersatz für den früheren Arbeitslohn, weshalb jeder Bürger sein Einkommen im Alter durch eine betriebliche sowie private Altersvorsorge ergänzen soll.

2007 wurde außerdem die Rente mit 67 beschlossen, die stufenweise seit 2012 eingeführt wird. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gibt es die Altersrente dann regulär erst mit 67 Jahren.

Zusätzlich gilt im Moment eine „doppelte Haltelinie„, die bis 2025 den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung auf höchstens 20 Prozent begrenzt und zugleich ein Rentenniveau von 48 Prozent garantiert.

Ausweitung der Leistungen

Neben den vielen Anpassungen, die das Rentensystem stabilisierten, kamen über die vergangen Jahre auch einige zusätzliche Leistungen hinzu, die die gesetzliche Rentenversicherung unter weiteren finanziellen Druck setzen.

Wir haben jedenfalls das Gefühl, dass der früher geltende Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit zunehmend verfliegt.

Hier einige Beispiele für die Ausweitung der Leistungen:

  • Mütterrente: Grundsätzlich eine gute Idee, doch im Endeffekt muss der Steuerzahler dafür aufkommen, seit 1986 wird die Rente für Kindererziehung stetig weiter ausgebaut
  • Rente ab 63: Bringt nur den Jahrgängen zwischen 1949 und 1963 etwas und kostet ca. zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr
  • Erwerbsminderungsrente: Für einzelne Menschen äußert hilfreich, kostete das Rentensystem aber bereits im Jahr der Einführung mehr als 100 Millionen Euro und bis 2025 rechnet man bis zu 1 Milliarde Euro pro Jahr
  • Besserstellung von Geringverdienern: Auch hier wieder für einzelne gut, kostet die Allgemeinheit aber über 200 Millionen Euro mehr pro Jahr

Das waren nur einige der Beispiele für die ausgeweiteten Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Endeffekt müssen wir Steuerzahler diese zusätzlich finanzieren, obwohl das Rentensystem bereits heute massive Finanzierungsprobleme hat.

Mit wie viel Rente kann ich rechnen?

Dein Rentenanspruch wird individuell berechnet und hängt generell von der Höhe deines Einkommens, der Anzahl deiner Beitragsjahre sowie der Zeit ab, in der du dich gegebenenfalls um die Kindererziehung gekümmert hast.

Eine genaue Antwort gibt es auf diese Frage also nicht.

Im Jahr 2020 hat jeder Rentner im Durchschnitt 989 Euro pro Monat erhalten. Besonders viel ist das nicht.

Auf der Website der Deutschen Rentenversicherung findest du eine genauere Erklärung, wie deine Rente mit der sogenannten Rentenformel errechnet wird. Außerdem gibt es dort einen Rentenrechner, mit dem du deine voraussichtliche monatliche Rente ausrechnen kannst.

Trotzdem ist das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen, da weder deine Familiensituation noch Gehaltssteigerungen oder eine zu erwartende Inflation bei der Berechnung berücksichtigt werden.

Besonders die Inflation ist hierbei entscheidend, da sie dein Geld an Wert verlieren lässt. Aus diesem Grund werden die Renten immer wieder nach oben angepasst, wenn die Löhne steigen.

Weil es künftig immer weniger Beitragszahler für die gesetzliche Rentenversicherung gibt, werden die Renten nicht mehr im selben Ausmaß wie die Löhne steigen können, wodurch sich Rentner weniger leisten können.

In Zukunft große Finanzierungsprobleme?

Wie bereits zahlreich erwähnt, gibt es mehrere Probleme in Bezug auf das deutsche Rentensystem.

Doch hat das jetzige Rentensystem überhaupt eine Zukunft?

Die meisten Ökonomen sind sich bei dieser Frage einig: Das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung kann auch weiterhin funktionieren.

Die Frage ist nur, ob es sich lohnt, weiterhin an diesem eher veralteten Ansatz festzuhalten. Es gibt unserer Auffassung nach bereits deutlich modernere und sinnvollere Rentenmodelle, wie sie beispielsweise in Schweden zum Einsatz kommen.

Die Rentenversicherung sei momentan jedenfalls einem massiven Stresstest ausgesetzt und käme mehr und mehr an ihre Grenzen. Die Experten merken an, dass das System in Zukunft nur funktionieren würde, wenn die Renten der zukünftigen Generationen deutlich geringer wären.

In einer Analysen kommt das Institut der deutschen Wirtschaft zu dem Schluss, dass eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf Dauer ebenfalls notwendig wäre. Zusätzlich müsse die Politik an den Stellschrauben der Beitragssätze, der Rentenhöhe sowie Zuschusshöhe aus Steuergeldern drehen.

Kurz gesagt führt unserer Meinung nach kein Weg mehr an einer privaten Vorsorge und bestenfalls auch einer betrieblichen Vorsorge vorbei. Auf den Staat und sein Umlageverfahren würden wir uns nicht mehr verlassen.

Private Vorsorge ist empfehlenswert

Hier sind sich die Experten gleichermaßen einig: Das Rentenniveau wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu halten, den man während seines Erwerbslebens hatte.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales empfiehlt deshalb, bereits während seines Arbeitslebens vorzusorgen. Private Vorsorge ist für dich also zwingend notwendig, um später nicht ggf. in Altersarmut zu rutschen.

Eine betriebliche Vorsorge macht gleichermaßen Sinn, sofern sich dein Arbeitgeber mit mindestens 20 bis 30 Prozent an den Bruttobeiträgen beteiligt. Eine betriebliche Vorsorge hat den Vorteil, dass du dich nicht um besonders viel kümmern musst. Den Großteil organisiert und regelt dein Arbeitgeber.

Manche Arbeitgeber zahlen sogar die kompletten Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Wenn das bei deinem Arbeitgeber auch der Fall ist, solltest du dieses Angebot auf jeden Fall wahrnehmen.

Trotzdem solltest du nicht das private Vorsorgen aus den Augen verlieren. Bei diesem bietet sich für Arbeitnehmer nämlich der größte Spielraum.

Klassisches Sparen über Sparbuch-, Tages- oder Festgeldkonten ist aufgrund niedriger Zinsen unattraktiv und nicht mehr sinnvoll. Langfristig führt deshalb kein Weg am Kapitalmarkt vorbei.

Direkt ohne Erfahrung in Einzelaktien zu investieren, ist fragwürdig. Am besten investierst du monatlich in einen ETF (Exchange Traded Funds).

Einen ETF kannst du dir wie einen Topf voller Aktien vorstellen. Durch diesen „Topf“ kannst du in gleich mehrere Aktien auf einmal investieren, was das Risiko eines Verlustes erheblich sinkt.

Wenn der ETF breit gestreut ist und in Unternehmen aus den verschiedensten Branchen und Ländern der Welt investiert, brauchst du dir nicht allzu viele Sorgen machen und kannst dich entspannt zurücklehnen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man an der Börse mit etwas Köpfcheneinsatz trotz Börsencrashs durchschnittlich 7 % Gewinn pro Jahr macht.

Je früher desto besser

Börsenjahr 2020 Rückblick

Das perfekte Alter, um mit seiner privaten Altersvorsorge zu starten, gibt es nicht. Grundsätzlich gilt: Je früher desto besser!

Wenn du nur wenig Geld zur Verfügung hast oder möglicherweise verschuldet bist, solltest du dich allerdings erst einmal darum kümmern, die Kontrolle über deine Ausgaben zurückerlangen. Am besten funktioniert das mit einem Ausgabenplan / Haushaltsplan.

Das stärkste Argument dafür, möglichst früh mit dem Investieren anzufangen, ist der Zinseszins-Effekt. Wenn du bereits früh beginnst, kleine Beträge zu investieren, kannst du mehr Geld anhäufen, als jemand, der erst zehn Jahre später mit höheren Beiträgen beginnt.

Wie viel Geld du pro Monat investierst, hängt ganz von dir ab. Experten halten es für sinnvoll, rund 10 Prozent des eigenen Einkommens zu sparen. Viel wichtiger ist aber, dass du überhaupt anfängst. Das geht z.B. auch mit kleinen Beträgen von 25 Euro pro Monat.

Weitere Infos über das Investieren an der Börse findest du hier.

Fazit: Wie sicher ist meine Rente?

Zurück zur Frage vom Anfang: Wie sicher ist meine Rente?

Seit Mitte der 1960er Jahre sind die Geburten in Deutschland stark zurückgegangen und viele geburtenstarke Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in Rente. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Beitragszahler und die Menschen werden immer älter.

Durch das Umlageprinzip kommt es deshalb zu Finanzierungsproblemen.

Wir gehen davon aus, dass deine Rente garantiert sein wird, aber nicht ihre Höhe. Das heißt, du wirst ganz sicher eine Rente erhalten, wenn du das Renteneintrittsalter erreichst.

Bezüglich ihrer Höhe würden wir uns jedoch nicht auf die Aussagen der Deutschen Rentenversicherung verlassen. Aufgrund der fortschreitenden demographischen Entwicklung könnte deine Rente deutlich niedriger ausfallen, als anfangs erwartet.

Deshalb solltest du dich mit privater und betrieblicher Vorsorge als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung auseinandersetzen.

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