Die Vermögenssteuer ist ein altes Thema, das regelmäßig wieder hochkocht und erneut einen Streit entfacht. Auch in letzter Zeit gab es wieder vermehrt Rufe aus Politik und Bevölkerung, eine solche Steuer einzuführen.

Warum die Einführung einer Vermögenssteuer für Deutschland jedoch kontraproduktiv wäre, möchten wir dir in diesem Beitrag erklären. Wir liefern dir sachliche Argumente, die gegen eine Steuer auf Vermögen sprechen und zeigen, warum so etwas der falsche Weg wäre.

Was versteht man unter einer Vermögenssteuer?

Zuerst einmal aber das Wichtigste: Was versteht man unter einer Vermögenssteuer?

Eine Vermögenssteuer soll hohe Vermögen dauerhaft besteuern. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer einmaligen Vermögensabgabe. Bei der Vermögenssteuer handelt es sich nämlich um eine fortlaufende Besteuerung von Vermögen.

Eine Vermögenssteuer wird grundsätzlich auf das Nettovermögen erhoben, also auf die steuerpflichtigen Vermögenswerte (wie Aktien, Immobilien, Betriebsvermögen etc.) abzüglich der Schulden.

Ein persönlicher Freibetrag regelt normalerweise, dass wirklich nur hohe Vermögen besteuert werden. Zudem kann eine Vermögenssteuer auch juristische Personen des Privatrechts treffen, z.B. Kapitalgesellschaften, Vereine und ähnliches.

Bei natürlichen Personen (Privatpersonen) kann eine Vermögenssteuer entweder für einzelne Personen oder eine ganze Familie erhoben werden.

Abgesehen von einer möglichen Steuer auf Vermögen gibt es auch noch sogenannte vermögensbezogene Steuern, die es beispielsweise in Deutschland bereits gibt. Dazu zählen zum Beispiel die Grundsteuer auf den Immobilienwert, die Grunderwerbssteuer oder die Erbschaftssteuer.

Vermögenssteuer in anderen Ländern

Heutzutage gibt es nur noch in wenigen Ländern eine persönliche Vermögenssteuer, z.B. in der Schweiz oder Norwegen.

In zahlreichen anderen Ländern, zu denen Italien, Österreich, die Niederlande oder Schweden zählen, wurde die Vermögenssteuer in den vergangenen Jahren abgeschafft.

In Spanien wurde sie wieder befristet eingeführt und in Frankreich in eine „Immobiliensteuer“ umgewandelt.

In Deutschland ist die Steuer seit 1997 abgeschafft

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In Deutschland gab es die Vermögenssteuer bis 1996.

In Deutschland gab es von 1923 bis 1996 ebenfalls eine Vermögenssteuer. Diese wurde aber 1997 abgeschafft, nachdem das Bundesverfassungsgericht sie wegen des Verstoßes gegen den Gleichheitsgrundsatz für verfassungswidrig erklärte.

Vermögen in Form von Immobilien sei im Vergleich zu Barvermögen bevorzugt worden, da die steuerlichen Werte für Immobilien, anhand derer die Höhe der zu zahlenden Vermögenssteuer errechnet wurde, nicht mehr erneuert wurden im Gegensatz zu den steuerlichen Werten von Barvermögen.

Was spricht gegen eine Vermögenssteuer?

Viele Dinge mögen auf den ersten Blick für eine Vermögenssteuer sprechen, doch bei genauerem Hinsehen stellt man an vielen Ecken fest, dass eine solche Steuer für Deutschland kontraproduktiv wäre. Sie würde dem Land mehr schaden als nutzen.

Was genau gegen eine Vermögenssteuer spricht, zeigen wir dir im folgenden Abschnitt.

Ifo-Institut warnt vor ökonomischen Schäden

Mehrere Forschungsinstitute und Ökonomen haben sich in die Debatte zu einer Vermögenssteuer eingemischt und analysiert, ob eine solche Steuer sinnvoll wäre.

Das Ifo-Institut (Institut für Wirtschaftsforschung) hat ein vernichtendes Urteil dazu: Eine Vermögenssteuer würde großen wirtschaftlichen Schaden anrichten und dem Staat vermutlich weniger Einnahmen bringen als erhofft.

Eine Simulationsrechnung ergab, dass das Bruttoinlandsprodukt nach acht Jahren mit einer Vermögenssteuer um bis 6,2 Prozent niedriger wäre also ohne Vermögenssteuer.

Clemens Fuest, Präsident des Instituts, sagt dazu Folgendes: „Weil die Steuer nur aufwändig zu erheben und teilweise zu umgehen sein wird, könnte das Aufkommen aus dieser Steuer weit hinter den Erwartungen zurückbleiben“.

Wenn Umgehungen einer Vermögenssteuer nicht möglich seien, würden Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in Deutschland gebremst werden. Die Steuer senke Anreize, zu investieren und Kapital aufzubauen.

Familienunternehmer sind dagegen

Viele Wirtschaftsverbände halten ebenfalls nicht viel von einer Vermögenssteuer. Allen voran kleine und mittelständische Firmen würden sich durch die Einführung der Steuer benachteiligt fühlen.

Landeschef des Interessenverbands „Die Familienunternehmer„, Stefan Schröter, meint, dass eine Vermögenssteuer eine Mittelstandsbremse wäre, die Betrieben die Substanz entziehe.

Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, schließt sich dem an und ergänzt, dass Familienunternehmen mit ihrem oft hohen Eigenkapitalanteil durch die Steuer in ihrer Solidität angegriffen werden würden.

Bund der Steuerzahler warnt vor Schaden in Milliardenhöhe

Bund der Steuerzahler Logo
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Der Bund der Steuerzahler kommt gleichermaßen zu einem vernichtenden Urteil für eine mögliche Vermögenssteuer.

In einer Analyse des Deutschen Steuerzahlerinstituts heißt es, dass eine Reaktivierung der Vermögenssteuer weniger Steuereinnahmen in Höhe von 24 bis 31 Milliarden Euro bedeuten könne.

Laut der Untersuchung würde bei Einführung der Steuer insbesondere das Investitionsniveau von Unternehmen abnehmen. Dadurch würden in Folge auch die Beschäftigung, der Konsum und die Produktion zurückgehen. Das Aufkommen von Ertragssteuern aber auch der Umsatzsteuer und weiteren Steuern würde in Folge sinken.

Zusätzlich analysiert das Institut, dass der internationale Vergleich gegen eine Vermögenssteuer spreche. Nur noch sechs Industriestaaten würden die Steuer erheben und außerdem würde die Reaktivierung verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen heraufbeschwören.

Weitere Argumente gegen eine Vermögenssteuer

Weitere bedeutende Argumente gegen eine Vermögenssteuer liefert das Bündnis „Vermögenssteuer trifft alle“. Einige der Argumente möchten wir dir nun vorstellen.

Vermögenssteuer betrifft die Substanz von Unternehmen

Die meisten Vermögen sind in Deutschland nicht liquide, sondern liegen in Form von Anteilen an Gesellschaften vor. Das meiste Vermögen liegt also nicht einfach auf der Bank, sondern steckt in Unternehmen, die Träger der Wirtschaft sind und Arbeitsplätze schaffen.

Eine Besteuerung dieses Vermögens würde zur Folge haben, dass im wahrsten Sinne des Wortes an der Substanz zahlreicher Unternehmen geknabbert werde.

Vermögenssteuer bremst Innovationen und Investitionen aus

Durch eine Vermögenssteuer würde der Staat kaum zusätzliche Einnahmen erzielen, da die Steuer wie eine Bremse für Investitionen und Innovationen wirken würde. Der volkswirtschaftliche Effekt wäre schlichtweg negativ.

Am Beispiel Frankreich lässt sich sehr gut beobachten, wie schlecht die Vermögenssteuer funktioniert: Nach der Wiedereinführung haben zahlreiche Unternehmer und Unternehmerinnen das Land verlassen.

Schätzungen zufolge sollen deshalb jährlich bis zu sieben Milliarden Euro ins Ausland geflossen sein – bei gerade einmal Steuereinnahmen in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Vermögenssteuer ist verfassungsrechtlich fragwürdig

Viele Staatsrechtler sehen eine große Herausforderung darin, eine Vermögenssteuer wirklich verfassungskonform umsetzen zu können.

Eine Erhebung der Steuer würde jedenfalls zu einem erheblichen Mehraufwand führen, der in keinem Verhältnis zum Nutzen der Steuer stände.

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