Es ist vergleichbar mit einer scheinbar nie endenden Debatte: Ist der Sozialismus besser als der Kapitalismus oder umgekehrt? Mit welcher Wirtschaftsordnung sollten wir leben?

Dabei ist die Frage gar nicht so schwer zu beantworten, wie es scheint. Keineswegs handelt es sich um eine Meinungs- oder Glaubensfrage. Es gibt klare Fakten, die wir heranziehen können, um der Antwort auf die Schliche zu kommen.

Da es in letzter Zeit wieder verstärkt zur Diskussion über diese Frage kam, haben wir uns entschieden, einen Beitrag darüber zu schreiben. Wir wollen deine mögliche Verwirrung aus der Welt schaffen.

Die zwei gegensätzlichen Wirtschaftsordnungen

Zuerst möchten wir dir die beiden Systeme vorstellen und sie anhand allgemein anerkannter Grundlagen definieren. So können wir garantieren, dass du weißt, über was wir genau schreiben.

In der Theorie gibt es nämlich keine eindeutigen Definitionen der beiden Wirtschaftsordnungen und es gibt sie mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Was ist Sozialismus?

Sozialismus beschreibt eine Wirtschaftsordnung, in welcher der Staat durch starke Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen versucht, die verschiedenen Ressourcen auf gerechte Art und Weise zu verteilen.

Der Staat besitzt in einem sozialistischen System deshalb als einziger die Produktionsmittel und kontrolliert diese. Er ist gleichermaßen der Hauptarbeitgeber und kann Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen festlegen.

Vollbeschäftigung kann durch den Sozialismus theoretisch durchgängig gewährleistet werden, da die Beschäftigungsquoten nicht mehr von der Marktsituation abhängig sind.

Individuelles Eigentum an Unternehmen ist im Sozialismus zwar erlaubt, wird aber sehr hoch besteuert und ist einer strengen Kontrolle unterworfen, sodass es nicht zur Ausbeutung kommt.

Die Grundprinzipien der sozialistischen Ideologie sind Gleichheit und Solidarität. Es geht um die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen und der Umverteilung des Vermögens von den Reichen zu den Armen.

Preiskontrollen, hohe Steuern, viele staatliche Ausgaben für öffentliche Dienstleistungen und eine komplett staatliche Gesundheitsversorgung sind typisch sozialistisch.

Was ist Kapitalismus?

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Im Kapitalismus sind Produktionsmittel privates Eigentum.

Der Kapitalismus ist, wenn man es so sagen will, die gegensätzliche Wirtschaftsordnung des Sozialismus / Kommunismus.

Der fundamentalste Unterschied liegt auf der Ebene der staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft. Im Kapitalismus sind Produktionsmittel privates Eigentum und die Wirtschaft stützt sich auf offene, freie Märkte.

Über Preise, Einkommen, Vermögen und die Verteilung von Gütern entscheiden die Kräfte des freien Marktes. Der freie Wettbewerb unter allen Marktteilnehmern treibt Innovationen an. Grundsätzlich versuchen Unternehmen, ihre Produkte in der Qualität zu verbessern und sie gleichzeitig billiger anbieten zu können.

Ineffiziente Unternehmen, die bei diesem Wettkampf nicht mithalten können, weil ihre Produkte beispielsweise zu schlecht oder teuer sind, werden schnell an andere Unternehmen verkauft oder gehen bankrott. Durch dieses Prinzip fließen die Ressourcen der ineffizienten Unternehmen automatisch in effizientere Bereiche.

Dem Verbraucher, dir als Privatperson, wird durch den Kapitalismus eine maximale Auswahl an Produkten zum Mindestpreis garantiert. Eine solch große Auswahl gibt es im Sozialismus nicht.

Weil das kapitalistische System jeden belohnt, der „effizient“ arbeitet, ist es automatisch ungleich. Das liegt in seiner Natur. Gleichzeitig dient diese Ungleichheit und Belohnung des Einzelnen aber auch als treibende Kraft und Motivation des Kapitalismus. Die Reize des Erfolgs sorgen für den großen Wettbewerb am Markt.

Prinzipiell ermöglicht diese Wirtschaftsordnung jedem Erfolg, der hart genug arbeitet und die richtigen Ideen hat / effizient ist. Der freie Markt urteilt hierbei über die Qualität der Ideen.

Abschließend kann noch gesagt werden, dass der Kapitalismus die Spreu vom Weizen trennt und für wirtschaftliche Entwicklung sorgt.

Wie ist es in der Realität?

Doch wie ist es in der Realität? Leben wir in einem ganz klar kapitalistischen oder sozialistischen System?

In Wirklichkeit gibt es in den meisten Ländern gemischte Volkswirtschaften, die sowohl Elemente des Kapitalismus als auch des Sozialismus beinhalten. Selbst in den USA, die als Hochburg des kapitalistischen Lebens gelten, ist dies so.

Aus diesem Grund ist es primär keine Frage nach der Wahl zwischen den beiden Wirtschaftssystemen, sondern nach einzelnen Elementen. Soll es mehr Elemente des Sozialismus oder des Kapitalismus in unserem gesellschaftlichen Leben geben?

Warum der Sozialismus nicht funktioniert

Im oberen Teil haben wir dir bereits erklärt, was man unter Kapitalismus und Sozialismus versteht. Nun möchten wir klarstellen, warum der Sozialismus als Wirtschaftsordnung nicht funktionieren kann.

Die Freiheit des Marktes sorgt für die Freiheit des Menschen

Das wohl bedeutendste Argument, das gegen den Sozialismus spricht, ist, dass nur die Freiheit des Marktes (freie Marktwirtschaft) auch die Freiheit des einzelnen Menschen garantieren kann.

Es gibt scheinbar eine enge Verknüpfung zwischen der Wirtschaft und den Freiheitsrechten. Die Vergangenheit hat nämlich gezeigt, dass Sozialismus stets mit Totalitarismus politisch sowie wirtschaftlich verbunden ist.

Die Zentrale des sozialistischen Staates ist überzeugt zu wissen, was gut für das Volk ist und vergisst dabei, dass jeder Mensch ein Individuum für sich ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat. Gewissermaßen wird einem im Sozialismus die eigene Identität abgesprochen. Man wird somit nur noch als Teil des Volkes angesehen.

Wirtschaftslabor Korea: Mehr Wohlstand durch den Kapitalismus

Dass der Kapitalismus für mehr Wirtschaftswachstum und somit Wohlstand der breiten Masse sorgen kann, wird am Beispiel Korea deutlich.

Ökonomen können beide Wirtschaftsordnungen zwar nicht unter Laborbedingungen untersuchen, aber ein Blick in die Vergangenheit sollte reichen.

Nord- und Südkorea existieren seit 1945 mit ähnlicher Geschichte und Kultur nebeneinander. Südkorea verfolgt im Vergleich zum nordkoreanischen Kommunismus ein kapitalistisches System. Diese Gegebenheiten machen einen Vergleich sinnvoll.

Im Jahr 1970 hatte der kommunistische Norden noch ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf als der Süden. Als sich Südkorea allerdings wirtschaftlich immer weiter öffnete, änderte sich das schlagartig. Das BIP pro Kopf stiegt in Südkorea steil an, während es in Nordkorea auf sehr niedrigem Niveau verharrte. Nordkorea ist deshalb heute eines der ärmsten Länder der Welt.

Dieser kleine Vergleich zeigt sehr einleuchtend, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand nur mit einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung möglich sind.

Sorgt die freie Marktwirtschaft für Ungleichheit?

Sozialisten würden jetzt einwenden, dass von Wirtschaftswachstum nicht unbedingt jeder im gleichen Maße profitiert.

Das stimmt natürlich. Der erwirtschaftete Wohlstand wird durch den Kapitalismus nicht gleichmäßig verteilt, wie es bereits weiter oben ausgeführt wurde.

Ein Maß für die Größe der „Schere zwischen Arm und Reich“ in einem Land ist der sogenannte Gini-Index, welcher von der Weltbank erhoben wird.

Bei einem Gini-Wert von 0 würden alle gleich viel verdienen und es gäbe keine Ungleichheit. Bei einem Wert von 100 würde wiederum ein Einzelner alles verdienen und der Rest nichts. Je höher der Wert, desto ungleicher ist Wohlstand in einer Gesellschaft verteilt.

In Ländern, die sich der freien Marktwirtschaft zugewandt haben, ist der Gini-Index selbstverständlich höher als in sozialistischen Staaten.

Ist Ungleichheit problematisch?

Ist Ungleichheit problematisch?
Ist das Leben in Staaten mit einem niedrigen Gini-Index besser? | Quelle

Die Frage ist aber, ob finanzielle Ungleichheit grundsätzlich problematisch ist. Denn es ist ersichtlich, dass eine wachsende Wirtschaft für jeden mehr Wohlstand bedeutet, allerdings nicht im gleichen Maße.

Es profitiert jeder genau in dem Maße, wie „effizient“ er sich für das kapitalistische System erweist. Glücklicherweise ist die eigene „Effizienz“ nicht in Stein gemeißelt und jeder kann durch harte Arbeit die Früchte der freien Marktwirtschaft ernten.

Sofern der Staat dafür sorgt, dass hochwertige Bildung für jeden, unabhängig von seinem Einkommen, zugänglich ist, sehen wir kein Problem darin, dass es eine gewisse Ungleichheit gibt. Aufgabe des Staates ist es, für entsprechende Aufstiegschancen von unten nach oben zu sorgen.

Nicht vergessen darf man außerdem, dass es Ungleichheit immer geben wird, da es natürlich ist, dass nicht jeder gleich ist.

Marktwirtschaftliche Systeme sind anpassungs-, lernfähig sowie innovativ

Ein weiteres Argument gegen den Sozialismus ist, dass nur die kapitalistische Wirtschaftsordnung Lernfähigkeit, Innovationen und Anpassungsfähigkeit fördert.

Aufgrund des Grundgedankens der sozialistischen Ideologie erhöht sich der Wert der Arbeitskraft eines Menschen nicht, wenn er mehr weiß oder über neue Fähigkeiten verfügt. Dadurch fehlt für die oben genannten Dinge der Anreiz.

Ein Anschauungsbeispiel dafür, dass alles Staatliche (wie im Sozialismus) nicht anpassungs-, lernfähig sowie innovativ ist, bieten öffentliche Verwaltungen. Diese sind reine Bürokratien nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Kultur der Innovation, Reformbereitschaft und Verbesserungsmanagement sind hier Fehlanzeige.

Alle sozialistischen Alternativen zum Kapitalismus sind gescheitert

In der Theorie mag Sozialismus für viele zwar erstrebenswert sein, weil er kein arm oder reich kennt, doch in der Realität funktioniert er nicht. Diese Tatsache kann man in zahlreichen Geschichtsbüchern nachlesen.

Der Sozialismus hat noch nirgendwo den Praxis-Test überstanden. In den Staaten von Mittel- und Osteuropa brachen die roten Kartenhäuser spätestens 1989 vollständig zusammen und die heutzutage vorherrschenden Situationen wie im kommunistischen Nordkorea oder Venezuela sind ebenfalls nicht erstrebenswert.

Die häufigsten Folgen des nicht funktionierenden Wirtschaftssystems sind meist vollkommen abgewrackte Volkswirtschaften, Umweltzerstörung im großen Stil und verfallene Städte.

Trotzdem schaffen es Sozialisten immer wieder, andere davon zu überzeugen, dass das, was damals erprobt wurde, gar kein richtiger Sozialismus gewesen sei. Es ist den Anhängern der sozialistischen Ideologie gelungen, sich von den zahlreich gescheiterten Versuchen aus der Vergangenheit zu distanzieren.

Für viele Idealisten und Träumer klingen die Versprechen des Sozialismus wohl schlichtweg zu verlockend, um endlich der Realität ins Auge zu blicken: Der Sozialismus ist gescheitert und funktioniert nicht. Sozialismus finden ironischerweise auch immer nur die Leute toll, die nicht in ihm leben müssen.

Sozialismus widerstrebt der menschlichen Natur

Sozialismus widerstrebt der menschlichen Natur
Wir Menschen sind zu egoistisch für Sozialismus.

Es ist kein Wunder, dass der Sozialismus bisher überall gescheitert ist, denn er widerspricht der menschlichen Natur.

Tagtäglich kann man beobachten, wie Menschen unbewusst Kosten und Nutzen abwägen, was aus evolutionärer Sicht durchaus sinnvoll war, um zu überleben.

Wenn der Nutzen für alle also gleich ist, wie im Sozialismus, minimieren wir Menschen die Kosten. Im übertragenen Sinne heißt das, wenn jeder den gleichen Lohn bekommt, arbeiten wir auch weniger und sind nicht so motiviert.

Gleiches gilt für Essen. Selbst wenn für alle genug Essen da ist, fahren manche Menschen die Ellbogen raus, weil sie denken, sie könnten zu kurz kommen. Egoismus liegt nämlich gleichermaßen in der Natur des Menschen. Als Eigenschaft ist Egoismus aber nicht mit der Idee des Sozialismus vereinbar.

Seit hunderttausenden von Jahren sind wir Menschen Egoisten, da uns eine egoistische Denkweise in der Wildnis das Überleben retten könnte. Erst kommen wir selbst und dann alle anderen.

Die eigentlichen Aufgaben des Staates

In der Debatte zwischen Sozialismus und Kapitalismus darf man außerdem nicht vergessen, was die eigentlichen Aufgaben des Staates sind.

Er soll dort aktiv werden, wo der Markt versagt, zum Beispiel bei der Verkehrsinfrastruktur, der Landesverteidigung oder dem Justizsystem.

Als Unternehmer ist der Staat jedoch keinesfalls besser als seine Bürger, weshalb schlichtweg nur der Kapitalismus mit gewissen staatlichen Elementen erstrebenswert ist und nicht der Sozialismus, in dem der Staat Unternehmer spielt.

Quellen: inomics.com, sueddeutsche.de, ifo.de, theeuropean.de, nzz.ch

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