Egoistisch, rücksichtslos, gierig und überheblich – Das alles sind häufige Vorurteile, die Deutsche gegenüber ihren wohlhabenderen Mitbürgern haben.

In diesem Beitrag geht es deshalb um den Neid in Deutschland und ob man schon von einer „Neidgesellschaft Deutschland“ sprechen kann.

Beziehen werden wir uns auf die bisher einzige Studie über Sozialneid, die vom Institut für Demoskopie Allensbach und Ipsos MORI in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Studie werden wir dir im Verlauf des Beitrags vorstellen, sodass du ein Bild davon bekommst, was ein Großteil der Deutschen über die reiche Bevölkerung denkt.

Für die Studie wurden in jedem Land 1.000 Menschen befragt. Die Ergebnisse der Studie sind außerdem in dem von Dr. Dr. Rainer Zitelmann veröffentlichten Buch „Die Gesellschaft und ihre Reichen. Vorurteile über eine beneidete Minderheit“ zusammengefasst worden.

Als reich bzw. wohlhabend wurden Menschen definiert, die mindestens eine Millionen Euro, Pfund bzw. Dollar besitzen (Wohneigentum ausgenommen).

Typische Vorurteile der Deutschen gegenüber Wohlhabenden

62 Prozent der befragten Deutschen gaben an, dass sie Wohlhabende für egoistisch halten. 56 Prozent sehen sie zudem als materialistisch an, 50 Prozent als rücksichtslos und gierig (49 Prozent) sowie überheblich (43 Prozent).

Die meisten der Befragten kennen jedoch nicht einmal einen reichen Deutschen, ein klares Zeichen für Neid in Deutschland. Es herrscht eine gewisse Neidkultur in der Gesellschaft. Erfolg und Reichtum werden nicht mehr als etwas Positives angesehen, sondern werden von vielen mit einem faden Beigeschmack wahrgenommen.

Das wird auch daran deutlich, dass lediglich 42 Prozent der Deutschen reiche Menschen als fleißig bezeichnen, 41 Prozent als wagemutig, intelligent (40 Prozent) und visionär (39 Prozent).

In Deutschland haben nur rund 17 Prozent der Bürger Kontakt zu einem „geouteten“ Millionär. In anderen Ländern wie Großbritannien (38 Prozent) oder den USA (43 Prozent) sind es deutlich mehr.

Anders ist es bei denen, die Millionäre persönlich kennen

Deutsche, die einen Reichen persönlich kennen, kommen zu anderen Urteilen. 71 Prozent dieser Gruppe bezeichnen Reiche als fleißig und intelligent. 58 Prozent schreiben ihnen Einfallsreichtum zu.

Damit bestätigt sich, dass es sich um verallgemeinernde Vorurteile handelt, die ein Großteil der Gesellschaft gegenüber Wohlhabenderen hat.

Selbstständigen wird Vermögen eher gegönnt

Selbstständigen wird Vermögen eher gegönnt - Neid in Deutschland
Managern wird ein hohes Vermögen seltener gegönnt.

Erfolgreichen Selbstständigen und Unternehmern gönnen rund 64 bzw. 57 Prozent ihr eigen erarbeitetes Vermögen. Im Vergleich: Bei Spitzenmanagern sind es gerade einmal 20 Prozent.

Wie das Vermögen erworben wurde, entscheidet in Deutschland also stark darüber, ob es die Mehrheit der Deutschen einem gönnt.

55 Prozent der Befragten gaben an, dass Reichtum häufig durch die Beziehungen der Eltern und Erbschaften (41 Prozent) zu Stande kommt. Laut 43 Prozent würden die meisten Vermögen vor allen Dingen durch Rücksichtslosigkeit aufgebaut worden sein. Außerdem denken rund 35 Prozent, dass sich Vermögende auf den Kosten anderer bereichert haben. Des Weiteren glaubt die Neidgesellschaft Deutschland, dass jeder zweite Wohlhabende ein Steuertrickser sei.

Jeder 2. Ostdeutsche und jeder 3. Westdeutsche gibt den Reichen die Schuld an der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft. Solche Aussagen zeigen, wie stark der Neid in Deutschland ist und erinnern an die Diskriminierung von Minderheiten.

Nur 50 Prozent denken, dass der Reichtum der meisten Wohlhabenden auf Kontaktfreude, Risikobereitschaft (47 Prozent), Geschäftsideen und Talent (43 Prozent) zurückzuführen sei.

Ein Drittel der Deutschen ist davon überzeugt, dass Reiche einen entscheidenden Anteil an der Schaffung von Arbeitsplätzen und Produkten haben. 18 Prozent der Befragten erkennen es an, dass Deutschland überproportional von den Steuereinnahmen der Millionäre profitiert.

Deutsche neigen stark zum Sündenbockdenken

Die deutsche Gesellschaft neigt überwiegend zum sogenannten „Sündenbockdenken“, wie die Studie herausfand. Als Sündenbockdenken bezeichnet man, die Schuld für Probleme und Krisen bei Minderheiten zu suchen.

In Deutschland denkt jeder zweite, dass Superreiche an den vielen großen Problemen der Welt schuld sind, wie Finanz- und humanitären Krisen.

In Frankreich denken im Vergleich lediglich 33 Prozent der Befragten so und in Amerika 25 Prozent. Bei den Briten halten 21 Prozent der Befragten Wohlhabende für die großen Probleme der Welt verantwortlich.

Wähler von SPD, Linken und AfD neigen zur Schadenfreude

Abgesehen von dem bereits Genannten wurde herausgefunden, dass vor allem Wähler der SPD, der Linken und der AfD zur Schadenfreude tendieren, wenn ein Millionär bei einem riskanten Geschäft viel Geld verliert. Rund die Hälfte der Wähler dieser Parteien freut sich über solche Verluste.

Bei FDP, CDU/CSU und den Grünen waren es lediglich ein Drittel.

Woher kommt der Neid in Deutschland?

Woher kommt der Neid in Deutschland?
Einen Einfluss auf die Höhe des Sozialneids hat die Schulbildung.

Die Frage ist vor allem: Woher kommt der Neid in Deutschland? Dafür gibt es durchaus mehrere plausible Antworten.

Mittels einer Regressionsanalyse hat der Autor der Studie drei Faktoren ermittelt, die einen signifikanten Einfluss auf die Höhe des Sozialneids haben. Das sind zum einen die Schuldbildung und die Frage, ob man einen Millionär persönlich kennt und zum anderen das „Nullsummendenken„.

Das Nullsummendenken hat mit Abstand den stärksten Einfluss auf den Neid in Deutschland. Viele der Befragten denken nämlich, dass wenn der eine (Wohlhabende) Geld dazugewinnt, dass es dem anderen (Armen) dann fehlt. Tatsächlich ist die Wirtschaft aber kein Nullsummenspiel, da es keinen „Kuchen“ von konstanter Größe gibt.

Ebenfalls interessant ist diesbezüglich die Kompensationstheorie, die besagt, dass anderen Menschen, die auf einem bestimmten Gebiet einem selbst überlegen sind, auf einem wiederum anderen Gebiet Minuspunkte zugeschrieben werden, damit man sich im Vergleich wieder gleich zu ihnen fühlt.

Reichen Menschen werden also negative Eigenschaften auf einem anderen Gebiet zugeschrieben, sodass man sein eigenes Selbstwertgefühl schützt, weil man selbst nicht einen solchen Reichtum erlangt hat.

Wie Reiche in Hollywoodfilmen dargestellt werden

Eine weiterer Grund für den Neid in Deutschland könnte die Darstellung von Wohlhabenden in Hollywoodfilmen sein.

In seinem Buch „Die Gesellschaft und ihre Reichen“ befasst sich Dr. Dr. Rainer Zitelmann damit und analysiert eine Stichprobe aus den umsatzstärksten Kinofilmen der letzten 28 Jahre, in denen reiche Menschen eine wichtige Rolle spielen.

In 3/4 der Filme wurden Reiche mit einem negativen Charakter dargestellt und die nicht reiche Kontrastperson mit einem positiven.

Fazit: Neid in Deutschland

Ingesamt können wir festhalten, dass in Deutschland ein ziemlicher Neid gegenüber wohlhabenderen Mitbürgern herrscht. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie, über die sich dieser Beitrag dreht.

Im Vergleich zu den anderen Ländern landet Deutschland in Bezug auf Neid auf dem 2. Platz. Auf Platz 1 befindet sich Frankreich, wo der Sozialneid gegenüber Reichen noch stärker ausgeprägt ist als in Deutschland. In den USA und Großbritannien gibt es hingegen deutlich weniger Neid. Am wenigsten Neid gibt es in Großbritannien, dicht darauf folgen die USA.

In Deutschland überwiegt nur sehr knapp die Anzahl der Nichtneider.

Quellen: vgsd.de, wallstreet-online.de

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