Das deutsche Schulsystem: Ein schlechter Scherz

Das deutsche Schulsystem: Ein schlechter Scherz - Deutsches Schulsystem Kritik

⚠️ Nach vermehrtem Feedback aus der Community haben wir uns dazu entschieden, diesen Beitrag als sehr „meinungslastig“ einzustufen. Er basiert vor allen Dingen auf meinen eigenen Erfahrungen als Schüler und enthält sehr viel eigene Meinung. In vielen Punkten findet nur eine einseitige Betrachtung statt, weshalb dieser Beitrag keineswegs als fundierte Quelle heranzuziehen ist. ⚠️


Von den Politikern wird es hoch angepriesen, in den Medien kaum thematisiert und Schüler regen sich über dieses Thema besonders gerne auf… um was wird es wohl gehen? Genau, das deutsche Schulsystem! Im folgenden Beitrag möchten wir uns kritisch mit dem deutschen Schulsystem auseinandersetzen.

Wie ist die momentane Situation?

Seit dem Bildungsschock zur Jahrtausendwende hat sich zwar Einiges getan, aber dennoch hagelt es weiterhin Kritik am deutschen Schulsystem. Unserer Meinung nach zurecht! Doch wie steht Deutschlands Schulsystem im aktuellen Vergleich zu anderen Ländern dar?

Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick auf die Ergebnisse der letzten PISA-Studie aus dem Jahre 2015:

Die regelmäßigen internationalen PISA-Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz OECD) geben einen Eindruck über die Schulleistungen der verschiedenen Länder und lassen auch Rückschlüsse über das dortige Bildungssystem zu.

Ergebnisse der PISA-Studie aus 2015

Ergebnisse der PISA-Studie 2015 - Kritik am Deutschen Schulsystem
Ergebnisse der PISA-Studie aus 2015 | Quelle: Wikipedia

Wie du sehen kannst, schneidet Deutschland im Gesamtdurchschnitt zwar gar nicht so schlecht ab und befindet sich mit Platz 13 erstaunlicherweise noch vor den nordeuropäischen Ländern, aber trotzdem gibt es bei diesem Ergebnis noch Luft nach oben.

Platz 13 ist auf jeden Fall kein schlechtes Ergebnis, aber ein Land mit einer so starken Volkswirtschaft wie Deutschland sollte sich bei Bildung dennoch weiter oben einreihen können. Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen wirtschaftsstarken Länder.

Vor allen Dingen in Hinblick auf die zukünftige wirtschaftliche Position Deutschlands ist das Ergebnis der PISA-Studie eher ernüchternd. Es müsste viel mehr in die richtige Bildung investiert werden, sonst ist der Begriff „Exportnation“ vielleicht bald nur noch einer aus vergangenen Zeiten. Der erarbeitete Wohlstand und die wirtschaftliche Stärke würden dann selbstverständlich auch verschwinden. Erste Anzeichen, dass wir früher oder später von Asiens-„Superelite“ überholt werden, gibt es bereits jetzt schon.

Asiens Superelite ist auf dem Vormarsch
Asien 亚洲 bekommt eine immer wichtigere wirtschaftliche Bedeutung.

Welche Auswirkungen hat Deutschlands Schulsystem auf die Wirtschaft?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Das deutsche Schulsystem hat einen großen Einfluss auf unsere Wirtschaft
  • Mit besser gebildeten Schülern könnte Deutschland sein Bruttoinlandsprodukt um 14 Billionen € steigern
  • Durch immer schlechtere Leistungen der deutschen Schüler in den Naturwissenschaften entsteht ein zunehmend größer werdender Fachkräftemangel

Laut einem auf WELT.de veröffentlichen Artikel hätten Ökonomen bereits in 2016 errechnet, dass die mittelmäßigen Leistungen der Schülerinnen und Schüler die deutsche Wirtschaft Billionen kosten könnten.

Eine gute Bildung der zukünftigen Arbeitnehmer und Selbstständigen sei essenziell für unser Land. Immerhin verdanke Deutschland sein bedeutsames Wirtschaftswachstum vor allen Dingen seiner starken Wissensgesellschaft.

Ludger Wößmann, ein Bildungsexperte des Ifo-Instituts, sieht dies genauso:

„Wir Deutschen leben in der globalisierten Welt davon, dass wir eine Wissensgesellschaft sind, und das Humankapital ist entscheidend für unseren künftigen wirtschaftlichen Erfolg“

https://www.welt.de/wirtschaft/article160071492/

Somit ist die Zukunft unserer Wirtschaft von der Bildung der Schülerinnen und Schüler abhängig. Für eine stetig wachsende Wirtschaft ist deshalb auch ein funktionierendes und sinnvolles Schulsystem von großer Bedeutung.

Bildung ist essenziell für unsere Wirtschaft - Deutsches Schulsystem Kritik
Bildung ist ganz wichtig für eine funktionierende und wachsende Wirtschaft.

Diverse Wirtschafts-Experten vertreten sogar den Standpunkt, dass wir unser Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem besseren Schulsystem deutlich steigern könnten.

Außerdem hat der bereits oben zitierte Ifo-Ökonom Ludger Wößmann berechnet, dass Deutschland mit einer Verbesserung von 25 PISA-Punkten (bezogen auf die Ergebnisse aus 2015) seine Wirtschaftsleitung (das BIP) um 14 Billionen Euro steigern könnte. Ganz schön viel Geld, oder?

„Bildung ist ein extrem wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum.“

– Ludger Wößmann, https://www.welt.de/wirtschaft/article160071492/

Wie sich das deutsche Schulsystem auch auf den Fachkräftemangel auswirkt

Der Artikel auf WELT.de spricht zusätzlich das Problem an, dass es immer weniger Spitzenschüler gäbe, die hervorragende Leistungen in wichtigen Fächern haben. So würden in Mathematik nur 13 Prozent aller Schüler das höchste Niveau erreichen. Im Vergleich zu Singapur seien dies dreimal so wenige Schüler.

Letztendlich wirkt sich so etwas auch negativ auf unsere Wissensgesellschaft aus, von welcher, wie bereits oben geschrieben, die Deutsche Wirtschaft stark abhängig ist. Fachkräfte mit genügend Wissen werden demnach immer seltener, obwohl sie doch so dringend gebraucht werden.

Immer schlechtere Leistungen in den Naturwissenschaften

Die Deutsche Wirtschaft hat schon jetzt Probleme damit, neue Fachkräfte für naturwissenschaftliche Berufe zu finden. Händeringend wird nun nach Nachwuchs für die sogenannten MINT-Berufe gesucht, zu denen unter anderem die folgenden Berufe zählen: Techniker, Naturwissenschaftler, Ingenieure und IT-Kräfte.

Die hoffnungslose Lage verschlimmere sich zudem noch, da mehrere Studien und Vergleiche belegt hätten, dass die deutschen Schüler und Schülerinnen einen zunehmenden Mangel an guten Rechenfähigkeiten haben. Ein internationaler Vergleich (TIMSS) unter Viertklässlern hätte sogar gezeigt, dass die deutschen Schüler in den letzten paar Jahren in Mathematik deutlich schlechter geworden sind und in der Regel nicht mehr mit dem EU-Durchschnitt mithalten können.

Deutsche Viertklässler werden immer schlechter in Mathematik - Deutsches Schulsystem Kritik
Deutsche Viertklässler erreichen beim TIMSS-Test immer schlechtere Platzierungen. Quelle: Wikipedia

Kritik am deutschen Schulsystem: Unsere eigene Meinung

Ab der 5. Klasse fängt es in den meisten Bundesländern an, für die Schülerinnen und Schüler ungemütlich zu werden: Man besucht ab sofort eine weiterführende Schule…
Der Spaß am Lernen steht in der Regel nun nicht mehr im Vordergrund, vorausgesetzt er hatte überhaupt mal während der Grundschulzeit die oberste Priorität. Bei mir war es zumindest glücklicherweise so.

Mobbing an deutschen Schulen – Deutsches Schulsystem Kritik

Mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule merken die meisten Schüler schon bald einen immer größer werdenden Leistungsdruck, auch ein zunehmender sozialer Druck entsteht.

Die Schule fördert nämlich enorm, dass sich Heranwachsende einander anpassen, sich ähnlich kleiden, verhalten und denken. Immerhin will man ja als Schüler oder Schülerin dazugehören und nicht ausgegrenzt werden. Sollte sich z.B. ein Schüler dafür entscheiden, dem zu trotzen und seine eigene extravagante Persönlichkeit auszuleben, so wird er früher oder später mindestens von den anderen ausgegrenzt, wenn nicht sogar gemobbt.

Mobbing ist an deutschen Schulen ein großes Problem - Kritik Deutsches Schulsystem
Mobbing ist an deutschen Schulen ein großes Problem.

Da an Schulen nicht aktiv etwas gegen Mobbing getan wird und die Lehrer meist aus Bequemlichkeit oder vielleicht sogar Angst, selbst wegschauen, ist die Schule für Menschen, die anders sind, der letzte Horror. Zusätzlich sind Kinder und Jugendliche meist viel hemmungsloser als Erwachsene und das Mobbing durch Kinder ist häufig nicht ansatzweise mit z.B. dem Mobbing am Arbeitsplatz zu vergleichen. Jugendliche und Kinder beleidigen sehr gerne unter der Gürtellinie und sind sich selbst nicht zu stolz, um sehr oberflächlich zu werden .

Fast jeder zweite Schüler gab bei einer repräsentativen Umfrage an, schon einmal Opfer von Mobbing gewesen zu sein. Ein Viertel der befragten Schüler fühlt sich sogar nicht sicher im schulischen Umfeld. Zu diesen Ergebnissen kam eine umfangreiche Studie der Bertelsmann Stiftung. Unsere Behauptungen sind demnach nicht aus der Luft gegriffen, sondern entsprechen leider dem Alltag an Deutschen Schulen.

Dass Schulen und das deutsche Schulsystem dafür da sind, „um Kindern das soziale Miteinander näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie man sich in einer Gesellschaft verhält“, ist somit kompletter Schwachsinn. Momentan fördert die Schule eher das komplette Gegenteil: Ausgrenzung und Mobbing.

Nichts passiert: Unserer Meinung nach müsste nicht nur von den Lehrern und Lehrerinnen und den jeweiligen Schulen mehr gegen Mobbing getan werden, sondern auch von weiter oben, den Kultusministern! Denn Mobbing tritt selbstverständlich nicht nur an einer bestimmten Schule auf, sondern an allen.

Aus diesem Grund sollten umfangreiche Aufklärungskampagnen für Schüler aufgesetzt werden, die zeigen, was Mobbing mit einem macht und welche psychischen Folgen es nach sich zieht. Außerdem sollten alle Lehrkräfte bzw. Pädagogen explizit darin geschult werden (z.B. durch eine Fortbildung), wie mit Mobbing an der Schule umgegangen werden sollte und was man als Lehrer oder Lehrerinn dagegen unternehmen muss. Denkbar wären solche Seminare auch für die Schülerinnen und Schüler, sodass sie schon früh lernen, das Mobbing Leben zerstört und wie man damit umgeht.

Das deutsche Schulsystem hat, wie du sehen kannst, in Sachen Mobbing eindeutig Nachholbedarf. Es wäre deshalb vielleicht auch sinnvoll, einige Schulstunden pro Woche dafür zu nutzen, um über solche Dinge wie Mobbing und den Umgang mit anderen zu sprechen. Immerhin wissen unseres Erachtens nach, viele Kinder nicht mehr, was man unter einem respektvollen Umgang miteinander versteht und wie man sich vorbildlich verhält. Ein solcher Unterricht könnte dann „Sozialunterricht“ oder „gesellschaftlicher Unterricht“ heißen.

Sozialunterricht wäre eine Möglichkeit - Kritik Deutsches Schulsystem
Ein Unterrichtsfach zum Lernen sozialer Kompetenzen könnte das Problem lösen.

Falsche Lernmethoden / Kein Spaß am Lernen – Deutsches Schulsystem Kritik

Das deutsche Schulsystem sollte man nicht nur wegen seines Mobbingproblems kritisch betrachten, sondern auch aufgrund der Art und Weise, wie in deutschen Schulen das Wissen vermittelt wird.

In der Regel ändert sich mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule die Art der Wissensvermittlung ebenso: Der eigentliche Spaß und die Freude am Lernen spielen nun keine Rolle mehr, im Vordergrund steht die reine, trockene und meist theoretische Wissensvermittlung.

Wir stellen uns dazu immer wieder die Frage: Warum muss das Wissen so krampfhaft in die Schülerinnen und Schüler reingepresst werden? Was ist der Sinn dahinter und was erhofft man sich davon? Viel besser und angenehmer wäre es doch, wenn die Kinder Spaß am Lernen hätten und somit auch gerne die Schule besuchen.

Zumal einige Studien auch schon belegt haben, dass man sich mit Spaß am Lernen viel mehr merken und nachhaltig lernen kann. Beim Frontalunterricht, der als langweilig und öde gilt, ist es anders: Hier wird nach der Schulstunde häufig wieder alles vergessen. Wissen wird demnach am Besten vermittelt, wenn die Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen mit dem Thema bzw. dem Inhalt verknüpfen können. Ist eigentlich auch ganz logisch: Wenn ich mir zum Beispiel selbst beibringe oder es selbst herausfinde, dass eine Tierzelle im Gegensatz zu einer pflanzlichen Zelle nur eine Zellmembran hat aber keine Zellwand, so merke ich mir das viel besser, als wenn der Lehrer es vorne an der Tafel erzählt.

Letztendlich braucht sich aufgrund dessen auch niemand wundern, wenn deutsche Schülerinnen und Schüler bei Vergleichen immer schlechter abschneiden und die Kinder mit zunehmenden Alter keine Lust mehr auf Schule haben.

Der fehlende Spaß am Lernen - Kritik Deutsches Schulsystem
Frontalunterricht ist die schlechteste aller Lernmethoden – trotzdem wird sie am häufigsten verwendet…

Belangloses Wissen wird vermittelt

Die mangelnde Motivation vieler Schülerinnen und Schüler ist sicherlich nicht nur der Tatsache geschuldet, dass das Lernen in der Schule kaum Spaß macht. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit liegt es auch daran, dass die meisten Kinder mit zunehmenden Alter verstehen, dass das, was sie alltäglich in der Schule lernen, ihnen rein gar nichts im späteren Leben, geschweige denn im Berufsleben bringt.

Das vermittelte Wissen aus der Schule scheint zwar auf den ersten Blick allgemeinbildend zu wirken, aber wenn man genauer hinschaut, gehen die meisten Themen viel zu sehr ins Detail, sodass man nicht mehr behaupten kann, es gehe lediglich um Allgemeinbildung. Außerdem gibt es selbstverständlich keine genaue Definition dafür, wann ein Mensch überhaupt gebildet ist bzw. über Allgemeinbildung verfügt.

Vielleicht sollte man aber auch die Bedeutung von Allgemeinbildung in Frage stellen? Ist es heutzutage als Durchschnittsbürger, wirklich noch wichtig, zu wissen, wer Napoleon war oder wie man beispielsweise eine Funktionsdiskussion führt? Sofern man kein Mathematiker oder Historiker werden will, was die wenigsten wollen, sind diese Dinge doch komplett belanglos.

Schülerinnen und Schüler lernen meist sinnlose Dinge - Deutsches Schulsystem Kritik
Schülerinnen und Schüler lernen meist sinnlose Dinge.

Von dieser Perspektive betrachtet würde es deshalb keinen Sinn mehr machen, die Schule länger als bis zur 7. oder 8. Klasse zu besuchen. In der Regel lernt man in den noch höheren Klassenstufen nämlich nur noch unnötigere Dinge, die man niemals, wirklich niemals in seinem Leben brauchen wird. Dass jeder in der Schule Lesen, Rechnen und Schreiben lernen sollte, darüber muss wohl kaum diskutiert werden, das ist klar. Den überwiegenden Rest könnte man jedoch ohne Probleme weglassen.

In der dann freigewordenen Zeit könnten die Schülerinnen und Schüler vielleicht endlich mal das lernen, was sie wirklich im Leben brauchen, z.B. wie man eine Bewerbung schreibt oder seine Einkommenssteuererklärung erstellt.

Deutschen Schülerinnen und Schülern mangelt es an Leistungsbereitschaft

„Viele Jugendliche haben nicht nur Probleme mit Pünktlichkeit und Umgangsformen, sondern ihnen fehlt es auch an Leistungsbereitschaft.“

– Berit Heintz, Bildungsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Nicht nur die Motivation vieler Schülerinnen und Schüler leidet offensichtlich unter der Vermittlung von unnötigem Wissen, sondern auch die Leistungsbereitschaft. Interessant ist es, dass sich die mangelnde Leistungsbereitschaft und die Demotivation auch auf Außerschulisches, wie die Ausbildung auswirken. Das würde im Endeffekt bedeuten, dass viele Schülerinnen und Schüler nachhaltig negativ durch die Schule geprägt werden, was sich ebenfalls mit unseren Beobachtungen widerspiegelt.

Zudem legte der DIHK-Report „Ausbildung 2016“ offen, dass mittlerweile fast 40 Prozent aller Ausbildungsbetriebe ihren Azubis Nachhilfe geben müssen, weil laut Berit Heintz nicht nur grundlegende Mathematik- und Deutschkenntnisse fehlen, sondern auch soziale Kompetenzen. Rund 30 Prozent nutzen außerdem die ausbildungsbegleitende Hilfe der Bundesagentur für Arbeit.

Azubis fehlt es immer häufiger an den notwendigen Kompetenzen - Deutsches Schulsystem Kritik
Auszubildenden fehlt es immer häufiger an den notwendigen Kompetenzen.

Solche Ergebnisse und Tatsachen zeigen abermals, dass sich etwas bezüglich des Deutschen Schulsystems ändern muss . Immerhin erfüllt die Schule sonst ihre eigentlichen Funktionen nicht.

Benotung und der damit einhergehende Leistungsdruck – Deutsches Schulsystem Kritik

Die Benotung von Schülerinnen und Schülern gibt es schon seit eh und je. Bereits im 16. Jahrhundert wurde sie durch die Jesuitenschulen eingeführt, die gleichermaßen zum ersten Mal in der Geschichte Klassensysteme nutzten. Um auf einer Jesuitenschule in eine höhere Klasse zu gelangen, musste eine Prüfung abgelegt werden, welche anschließend von Lehrern durch ein fünfstufiges, lateinisches Notensystem bewertet wurde.

Wie man bereits sehen kann, ist die Idee der Benotung und eines Notensystems keineswegs eine neue oder moderne. Mehr als sechs Jahrhunderte gibt es diese Beurteilung der Schülerinnen und Schüler schon.

"F" steht in Deutschland für eine 5 - Deutsches Schulsystem Kritik
Übrigens: Im Amerikanischen Schulsystem steht das „F“ für die Note 5.

In unserer heutigen Welt ist es jedoch sehr fragwürdig, ob ein solches Notensystem, wie das deutsche Schulsystem es immer noch vorsieht, überhaupt noch zeitgemäß und fair ist. Ein Lehrer kann selbstverständlich versuchen, objektiv zu sein und jedem wirklich die Note zu geben, die er seiner Auffassung nach verdient hätte. Doch heutzutage wissen wir alle, dass eine vollständige Objektivität niemals möglich sein wird, es gibt immer jemanden, den man mehr mag oder sympathischer findet als den anderen.

Dies kann auch Sigrid Wagner als ehemalige Lehrerin bestätigen, die über die Willkürlichkeit der Notengebung auf focus.de einen Artikel veröffentlicht hat. Mehr dazu: Lehrerin packt aus: Wie Lieblingsschüler bei der Notenvergabe bevorzugt werden

Eine ehemalige Lehrerin berichtet - Deutsches Schulsystem Kritik
Eine ehemalige Lehrerin berichtet, ob die Schülerinnen und Schüler wirklich objektiv und fair benotet werden.

Des Weiteren sollten wir als Gesellschaft, die sich leider immer mehr zur kompletten Leistungsgesellschaft entwickelt, auch in Frage stellen, ob eine Benotung nach erbrachter Leistung wirklich sinnvoll ist oder ob nicht viel eher die Stärken und Schwächen eines Kindes von Bedeutung sind. Oftmals ist es doch so, dass es für gute Noten eigentlich nur darauf ankommt, ob man sich dem in der Schule geltenden System gut anpassen kann oder eben nicht. Es ist selbst fragwürdig, ob man die Leistung eines Schülers in Zahlen bzw. Punkten bewerten kann. Ganz davon abgesehen, dass Schülerinnen und Schüler eigentlich ein Zeugnis anhand ihrer Stärken und Schwächen ausgestellt bekommen sollten.

Letztendlich spielt es ja für das spätere Leben eine nicht so große Rolle, ob man nun in Englisch mehr Leistung erbracht hat als in Mathe oder eben andersherum. Viel eher geht es darum, wie zielstrebig und diszipliniert ein Mensch ist, wie dieser mit Stress umgeht und um so viele andere Dinge, welche von diesem veralteten Notensystem leider gar nicht beachtet werden.

Leistung, Leistung, Leistung…

Wie bereits oben geschrieben, fehlt es den deutschen Schülerinnen und Schülern zunehmend an Motivation und Leistungsbereitschaft. Man kann durch den teilweise massiven Noten- und Leistungsdruck, welcher bei gewissen Kindern herrscht, davon ausgehen, dass auch das Notensystem und die teilweise Willkürlichkeit bei der Vergabe einer Zensur eine bedeutende Rolle spielen, wenn es darum geht, dass Schüler immer demotivierter werden.

Leistung, Leistung, Leistung... - Deutsches Schulsystem Kritik
Unsere Gesellschaft entwickelt sich immer mehr zur reinen Leistungsgesellschaft.

Besonders Schülerinnen und Schüler, die eigentlich sehr schlau und intelligent sind, aber immer wieder auf der Notenskala abrutschen, leiden in der Regel unter enormen Druck und Stress. Immerhin entscheidet die Schule sehr stark über die eigene Karriere und den Berufsweg.

Selbst wenn man eigentlich keine Probleme in der Schule hat, steigt der Leistungsdruck mit zunehmenden Alter enorm an. Spätestens ab der Jahrgangsstufe 11 ist es normal, fast jede Woche, besonders in der Klausurenphase, drei Klausuren, mehrere Präsentationen und eventuell sogar noch einen Vokabeltest im Terminplan zu haben. Ganz selbstverständlich ist es, dass bei diesen Gegebenheiten einige Schülerinnen und Schüler dicht machen.

Digitalisierung kennen Deutsche Schulen nicht

Genau dies kann man behaupten, wenn man sich die Digitalisierung in deutschen Schulen ansieht.

In der einen Schule wird noch ganz klassisch mit Overhead-Projektor gelernt und in der Schule direkt nebenan, gibt es bereits schnelles Internet und eine digitale Tafel. Die Unterschiede in den deutschen Schulen bezüglich Digitalisierung sind wie Tag und Nacht.

Dennoch kann man sagen, dass es den meisten Schulen noch an den grundlegendsten Bausteinen des digitalen Zeitalters fehlt, zu denen zum Beispiel eine gute Internetanbindung, elektronische Tafeln und genügend PCs zählen. Die Liste könnte man noch um einiges fortsetzen. Fakt ist jedoch, dass die deutschen Schulen die Digitalisierung verschlafen haben.

Dies bestätigt auch eine aktuelle Sonderauswertung der PISA-Ergebnisse aus dem Jahr 2018. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche sich auch um den internationalen Schulleistungsvergleich im Form der PISA-Studie kümmert, hat dafür Daten auf Basis einer Schulleiterbefragung erhoben.

Herauskam, dass zum Zeitpunkt der Datenerhebung nur rund 33 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Zugriff auf eine Online-Lernplattform hatten. Zum Vergleich: Der Durchschnitt liegt bei mehr als 54 Prozent. Dementsprechend fand man Deutschland auf den hinteren Plätzen der Auswertung. Einige chinesische Metropolen und Dänemark konnten sogar schon in 2018 mit einem Wert von mehr als 90 Prozent glänzen.

Nur rund 33 Prozent aller Schülerinnen und Schüler haben Zugriff auf eine Online-Lernplattform - Deutsches Schulsystem Kritik
Lediglich 33 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler hatte in 2018 Zugriff auf eine Online-Lernplattform; inzwischen dürfte der Wert etwas gestiegen sein.

Nicht nur bei den Online-Lernplattformen schnitt Deutschland schlecht ab, sondern auch bei der Zahl der verfügbaren Computer pro Schüler. In Deutschland lag diese Zahl 2018 bei gerade einmal 0,61 Computern pro Schülerin oder Schüler, wobei der OECD-Durchschnitt 0,85 betrug. Außerdem ist den Auswertungen zufolge die digitale Weiterbildung der Lehrkräfte in Deutschland ebenfalls unterdurchschnittlich. Lediglich 40 Prozent aller deutschen Schülerinnen und Schüler besuchten Schulen, bei denen die Schulleitung angegeben hatte, dass es entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte in Bezug auf Digitalisierung gäbe. Selbstverständlich waren hierbei auch wieder die Schulen in Asien wesentlich besser aufgestellt, z.B. Singapur mit beeindruckenden 90 %.

Zusammengefasst ist die Digitalisierung im Jahre 2020 immer noch nicht in deutschen Schulen angekommen und es gibt noch einiges an Nachholbedarf. Deutschland könnte sich in Sachen Digitalisierung an Schulen durchaus eine Scheibe an zahlreichen Ländern in Asien aber auch in Nordeuropa abschneiden.

Seit 2018 hat sich die Situation zwar etwas verbessert, indem nach Jahren endlich mal mehr Geld in die Hand genommen wurde, um Deutsche Schulen aufzurüsten. Dennoch bleibt das Problem, dass das meist vom Bund zur Verfügung gestellte Geld erst nach Jahren auch wirklich bei den Schulen ankommt, bestehen. Hoch lebe die Bürokratie!

Nach langer Zeit wurde Geld für die Digitalisierung der Schulen bereitgestellt - Deutsches Schulsystem Kritik
Mit dem „Digitalpakt Schule“ stellt der Bund Geld für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung.

Selbst wenn sich das Ganze etwas beschleunigen würde und die Schulen das notwendige Geld schneller zur Verfügung gestellt bekämen, wäre da weiterhin das Problem der nicht ausreichend weitergebildeten Lehrkräfte, welche oft mit der Technik überfordert sind oder gar nicht wissen, wie sie diese in den Unterricht einbinden können.

Wie man sieht, ist es noch ein langer Weg, bis Deutschland in Sachen Bildung auch mit asiatischen und nordeuropäischen Ländern mithalten kann. Die Frage, die sich dabei stellt, ist, ob die mangelnde und schleppende Digitalisierung Deutschlands Schulen nicht irgendwann auf die Wirtschaft zurückfällt. Schließlich sind bereits jetzt grundlegende Kenntnisse bezüglich der digitalen Medien für die eigene Karriere und den späteren Beruf ganz essenziell.

Digitale Medien Grundkenntnisse sind heutzutage ganz essenziell für den Beruf - Deutsches Schulsystem Kritik
Grundkenntnisse im Umgang mit den digitalen Medien sind für die meisten Berufe inzwischen ganz essenziell.

Lernen in maroden Schulgebäuden – Deutsches Schulsystem Kritik

Deutschen Schulen fehlt es meist nicht nur an Digitalisierung, sondern zunehmend auch an Sanierungsmaßnahmen und Reparaturen.

Fenster, die man nicht öffnen kann, viel zu kleine Klassenräume, veraltete Toiletten, die mit der Zeit immer ekeliger werden, sind keine Seltenheit an Deutschlands Schulen. Selbst ein Waschbecken gibt es nicht in jedem Klassenraum und die Tafeln sind oftmals auch kaputt. Ganz zu schweigen von den beschmierten Wänden, die mal einen neuen Anstrich vertragen könnten.
Die Liste ist lang und die Faktenlage klar: Deutsche Schulen befinden sich nicht im „Optimal“-Zustand.

Dies hat auch der Bund erkannt und bereits in 2017 rund 3,7 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um finanzschwache Kommunen bei der Sanierung von Schulen zu unterstützen.

Wie bei so vielem in Deutschland scheitere es laut einem Artikel auf WELT.de auch hier wieder an der Umsetzung und nicht an dem Geld. Die Verfahren zur Sanierung einer Schule seien meist sehr bürokratisch und langwierig und dadurch auch mit viel Aufwand für die Bauunternehmen verbunden. Doch dieser Mehraufwand werde selbstverständlicher Weise nicht bezahlt, weshalb Unternehmen aus der eh schon wachstumskräftigen Baubranche lieber mit einen privaten Auftraggeber zusammenarbeiten würden als mit dem Staat.

Bauunternehmen arbeiten lieber mit privaten Auftraggebern zusammen - Deutsches Schulsystem Kritik
Bauunternehmen arbeiten der Einfachheit halber lieber mit privaten Auftraggebern zusammen.

Die daraus resultierende Folge ist natürlich, dass die Schulen und Kitas nur sehr langsam wieder auf Vordermann gebracht werden. Das Problem könne man gemäß dem Artikel lösen, indem der Staat die Bauausschreibungen präziser und klarer gestaltet und die in der Regel zu hohen Anforderungen herunterschraubt. Diese seien nämlich für die meisten Bauunternehmen schlicht und ergreifend nicht umsetzbar bzw. utopisch.

Ungleiche Bildungschancen

Genauso wie in vielen anderen Ländern öffnet sich auch in Deutschland die Schere zwischen arm und reich immer weiter. Diese Ungleichheit und teilweise auch Ungerechtigkeit spiegelt sich auch im deutschen Schulsystem und den deutschen Schulen wieder. So liege z.B. der Anteil der Geringqualifizierten, die keinen Schulabschluss haben, laut einem Artikel des Handelsblatt hierzulande bei hohen 13 Prozent. Andere Länder wie Polen, Kanada, die Schweiz und sogar die USA hätten zum Teil Werte deutlich unter 10 Prozent.

Deutschland liege mit seinen 13 Prozent aber dennoch unter dem OECD-Durchschnitt von rund 15 Prozent. Heino von Meyer, der Leiter des Berlin Centre der OECD, kritisierte jedoch, dass man mit einem so hohen Wert dennoch ökonomisches Potenzial vergeude, da Geringqualifizierte früher oder später zum Fall für die Sozialkassen werden würden.

Oft geraten Geringqualifizierte in die Arbeitslosigkeit - Deutsches Schulsystem Kritik
Unemployed (engl.) für Arbeitslos – Häufig geraten Geringqualifizierte früher oder später in die Arbeitslosigkeit.

Zudem zeige der angesprochene OECD-Bericht, dass die Beschäftigungsquote einer Altersgruppe ganz klar von dem erreichten Bildungsabschluss abhängt. So hätten lediglich 55 Prozent der 25- bis 34-Jährigen ohne Schulabschluss eine Arbeit. Bei den besser gebildeten 25- bis 34-Jährigen liege die Quote bereits bei 84 Prozent. Also ein großer Unterschied!

Wie der Artikel im Handelsblatt verrät, übe die Industrieländerorganisation (OECD) auch Kritik daran, dass die persönlichen Bildungschancen in Deutschland immer noch stark von der eigenen sozialen Herkunft abhingen. 49 Prozent der Kinder von Müttern mit Studienabschluss würden an frühkindlicher Bildung teilnehmen. Bei den Kindern von Müttern mit geringerem Bildungsgrad sehe die Sache schon etwas anders aus, hier würden nur rund 37 Prozent daran teilnehmen.

Die Chancenungleichheit in Bezug auf Bildung setze sich auch im höheren Alter fort. So erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, einen höheren Schulabschluss zu erreichen bzw. ein Studium aufzunehmen mit dem Bildungsstand der Eltern. Ein Migrationshintergrund wirke sich gleichermaßen sichtbar auf die eigenen Karrierechancen aus.

Ein Migrationshintergrund sorgt für schlechtere Karrierechancen - Deutsches Schulsystem Kritik
Ein Migrationshintergrund wirkt sich auf die eigenen Karrierechancen aus.

Videoempfehlung – Deutsches Schulsystem Kritik

Zum Ende hin können wir dir noch ein Video des YouTube-Kanals „Simplicissimus“ ans Herz legen, welches sich umfangreich aber in einer verständlichen Art und Weise kritisch mit den Problemen des deutschen Schulsystems auseinandersetzt.