In weniger als einer Woche ist die Bundestagswahl 2021. Vielleicht hast du bereits per Briefwahl gewählt oder wirst dich am Sonntag wie viele andere auf den Weg zur Wahlurne machen.

Mit unserem informativen Beitrag zum Thema Rente wollen wir dir noch kurz vor knapp eine Entscheidungshilfe bieten.

Denn sicherlich hast du bereits davon gehört, dass auf unser altes Rentenversicherungssystem spätestens in ein paar Jahren erhebliche Finanzierungsprobleme zukommen werden.

Dies liegt vor allem am demographischen Wandel, also der Tatsache, dass auf der einen Seite immer mehr Menschen alt werden und ihre Rente beziehen wollen und auf der anderen Seite nicht genügend junge Menschen im Arbeitsleben stehen, die dies finanzieren können.

Wir werden deshalb die Wahlprogramme der einzelnen Parteien auf den Aspekt Rente untersuchen. Wie kann die Rente auch in Zukunft für alle Generationen garantiert werden?

Ein „Weiter so“ kann es nicht geben

Dass ein „Weiter so“ beim Thema Rente nicht möglich ist, dazu kam auch ein wissenschaftliches Gutachten, welches von unserem derzeitigen CDU-Wirtschaftsminister Altmaier beauftragt wurde.

Auf mehr als 50 Seiten mit 72 Anhängen wird erklärt, warum der gesetzlichen Rentenversicherung spätestens ab 2025 erhebliche Finanzierungsprobleme drohen.

Unter Federführung des bekannten Rentenexperten Prof. Axel Börsch-Supan wurde ein Reformvorschlag gemacht: Die Rente mit 68.

Der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung soll nämlich nicht auf über 20 Prozent steigen und gleichzeitig soll das Rentenniveau nicht auf unter 48 Prozent sinken. Das besagt die aktuelle Regelung der doppelten Haltelinie, welche in 2018 den Nachhaltigkeitsfaktor ersetzte.

Die Gutachter plädieren hingegen für die Abschaffung der Haltelinie und Rückkehr zur alten Rentenformel. Andernfalls würden schon in den 2030er-Jahren die Rentenbeiträge auf über 23 Prozent steigen und das Rentenniveau auf unter 46 Prozent fallen. Außerdem müsste der Staat mit hohen Steuermitteln gegenfinanzieren.

Die Problematik ist also klar und die Experten wollen sie mit einer Erhöhung des Rentenalters anhand der immer steigenden Lebenserwartung lösen. Sie schlagen die Rente mit 68 vor. Momentan liegt das Renteneintrittsalter noch bei 67 Jahren.

Da man mit einer längeren Arbeitszeit auch höhere Beiträge ausgezahlt bekommen müsste, sollen laut den Verfassern des Gutachtens die Rentenausgaben gedämpft werden.

Dafür wird in dem Dokument die Möglichkeit eines bestimmten Sockelbetrags beschrieben, der als festes Rentenniveau für alle zu garantieren ist. Die über diesen Sockelbetrag hinaus gehenden Rentenansprüche sollen mit einem geringeren Rentenniveau finanziert werden. Außerdem könnten die Renten nicht mehr analog zur Entwicklung der Löhne steigen, sondern nur noch entsprechend der Inflationsrate.

Wie funktioniert das momentane Rentensystem?

Wie funktioniert das momentane Rentensystem?

Falls du bisher nur die Hälfte verstanden hast, ist das nicht schlimm. In diesem Abschnitt erklären wir dir das aktuelle Rentensystem Deutschlands etwas genauer.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist grundsätzlich ein Teil des gegliederten Sozialversicherungssystems, der die Altersvorsorge von Arbeitnehmern garantieren soll. Nicht jeder ist jedoch verpflichtet, in diesen Teil des Versicherungssystems einzuzahlen.

Neben der verpflichtenden Einzahlung für Angestellte können Selbstständige selbst entscheiden, ob sie das System nutzen möchten oder nicht.

Für Beamte ist die Einzahlung ebenfalls freiwillig, da sie von vornherein eine gesetzliche Pension erhalten.

Hauptaufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Finanzierung der Altersrente. Renten bei verminderter Erwerbsfähigkeit, Hinterbliebenenrente sowie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Reha) gehören allerdings auch in den Aufgabenbereich.

Finanziert wird unser Rentensystem durch ein sogenanntes Umlageverfahren. Das heißt, dass die Beiträge der derzeitigen Beitragszahler (arbeitende Bevölkerung) unmittelbar an die aktuellen Rentner ausgezahlt werden. Durch die Einzahlung in das System werden sich abhängig von der Höhe Entgeltpunkte gesichert, die sich wie im Generationenvertrag geregelt, später auf den eigenen Rentenanspruch auswirken.

Seit längerem erhält die deutsche Rentenversicherung zudem Zuschüsse des Bundes, die mit Steuergeldern finanziert wurden.

Die Parteiprogramme unter der Lupe

So viel erstmal zum Thema Rentenversicherung in Deutschland. Das ist das aktuelle System.

Doch was wollen die Parteien nun an diesem ändern, um das zukünftige Finanzierungsproblem zu lösen?

Wir schauen uns nachfolgend die Wahlprogramme der sechs größten Parteien in Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung an.

Die sechs Parteien haben reale Chancen, in den Bundestag einzuziehen.

CDU/CSU

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140 Seiten lang ist das Parteiprogramm der Union mit dem Titel „Das Programm für Stabilität und Erneuerung„. Ab Seite 58 widmet es sich der finanziellen Sicherheit im Alter. Drei Seiten haben CDU/CSU der Rente in ihrem Wahlprogramm gewidmet.

Rentnerinnen und Rentner sollen weiterhin verlässlich an der allgemeinen Einkommensentwicklung durch eine Anpassung ihrer Rente beteiligt werden. Außerdem will die CDU/CSU die Doppelbesteuerung der Renten verhindern und die diesbezüglichen Vorgaben des Bundesfinanzhofes schnellstmöglich umsetzen. Das Renteneintrittsalter soll bei 67 Jahren belassen werden.

Freiwillige Einzahlungen von nicht Versicherungspflichtigen sollen grundsätzlich weiterhin möglich sein. Mit der Union wird es demnach keine neuen Einzahlungspflichten für andere Erwerbstätige geben.

Der momentan für die Rentenversicherung zuständige Sozialbeirat soll sich in Zukunft zu einem Alterssicherungsbeirat entwickeln, der alle drei Säulen der Altersvorsorge (gesetzlich, betrieblich, privat) gesamtheitlich in den Fokus nimmt.

Unverbindlich bleibt die Partei des Kanzlerkandidatens Armin Laschet bei der Frage des Rentenniveaus und Beitragssatzes: „Wir behalten das Vorsorgeniveau im Auge und schützen die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler vor Überforderung.“

Eine Vorsorgepflicht für Selbstständige soll auf den Weg gebracht werden, um Altersarmut unter Selbstständigen zu verhindern. Viele nehmen die Altersvorsorge nämlich auf die leichte Schulter. Wie die Selbstständigen für ihren Lebensabend vorsorgen, das möchte die Union ihnen aber selbst überlassen.

Verbesserungen für berufliche Reha, die Erwerbsminderungsrente und die berufliche Altersvorsorge stehen gleichermaßen im Programm.

In Bezug auf die private Vorsorge plant das Parteienbündnis ein neues „Standardprodukt“, das mit wenig Bürokratie und Verwaltungskosten daherkommen soll. Konkret wird man allerdings nicht.

CDU/CSU machen zusätzlich den Vorschlag einer Generationenrente: Von der Geburt an soll ein gewisser Betrag in einem Pensionsfonds angespart werden.

SPD

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Aus Respekt vor deiner Zukunft„, so nennt sich das Wahlprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2021. Auf Seite 35 geht es um das Thema Absicherung im Alter.

Die Partei will die gesetzliche Rente stärken und setzt sich für eine dauerhaft stabile Rentenleistung sowie ein dauerhaftes Rentenniveau von mindestens 48 Prozent ein.

Die Rente soll zudem geschlechtergerecht gemacht werden und beispielsweise die Pflege von älteren Angehörigen besser berücksichtigen. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters wird abgelehnt.

Den gesetzlichen Anspruch für besonders langjährig Versicherte, bereits vor dem Erreichen des regulären Eintrittsalters ohne Einschränkungen in Rente gehen zu können, möchten die Sozial Demokraten beibehalten.

Sondersysteme sollen hingegen abgeschafft werden. Beamte, Selbstständige, Freiberufler sowie Politiker müssen laut der SPD ebenfalls in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Einbezug von Beamten soll jedoch nicht zu einer Reduzierung der Ansprüche führen.

Die Erwerbsminderungsrentner sollen künftig durch einen Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge vor „Armutsrisiken“ geschützt werden.

Bei der privaten Altersvorsorge wird weniger Bürokratie gefordert. Außerdem wendet man sich von der Riester-Rente ab und möchte sich für eine Rente nach schwedischem Vorbild einsetzen (kapitalgedeckte Vorsorge).

AfD

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Die AfD verspricht in ihrem Parteiprogramm „Deutschland. Aber normal.“ Renten zukunftsfest machen zu wollen, beispielsweise durch einen höheren Steuerzuschuss.

Versicherungsfremde Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherungen sollen stets aus Steuermitteln beglichen werden. Steuererhöhungen soll es trotzdem nicht geben. Viel eher möchte die Alternative für Deutschland Steuern bei der Migrations-, Klima-, und EU-Politik einsparen.

Versicherte der gesetzlichen Rentenversicherung sollen in Zukunft im Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber zu einem individuellen Wunschzeitpunkt in den Ruhestand gehen können. Wer länger arbeitet, bekommt jedoch mehr Rente.

Zur Verhinderung von Altersarmut möchte die AfD 25 Prozent der Altersrente nicht auf die Grundsicherung anrechnen.

Politikerpensionen will die Partei abschaffen, da es niemandem vermittelbar sei, dass ein Berufspolitiker bereits nach wenigen Jahren hohe Pensionsansprüche erwirbt.

Beamte sollen weiterhin nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen. Allerdings will man den Beamtenstatus auf originär hoheitliche Aufgaben wie die Polizei und Justiz beschränken.

Außerdem steht im Wahlprogramm, dass der Beitrag von Familien zur Gesellschaft besser in Bezug auf die eigene Rente honoriert werden soll. So soll es 20.000 Euro Erstattung pro Kind in der gesetzlichen Altersvorsorge geben ohne eine Absenkung der Rentenansprüche.

Ungerechtigkeiten zwischen den Rentenansprüchen im Osten und Westen von Deutschland sollen durch eine Fondslösung aus der Welt geschafft werden.

Durch die Anhebung des Steuerfreibetrags plant die AfD die Doppelsteuerung von Renten zu verhindern.

FDP

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Mit ihrem Wahlprogramm „Nie gab es mehr zu tun“ setzen die Freien Demokraten auf ein Baukastenprinzip, bei dem Formen der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge frei miteinander kombinierbar sind.

Durch das Baukastenprinzip soll es kein Problem mehr sein, die Erwerbstätigkeit oder den Arbeitgeber öfters zu wechseln. Einen flexiblen Renteneintritt nach schwedischem Vorbild fordert die Partei ebenfalls.

Wer früher in Rente gehen würde, bekäme eine geringere Rente und wer später gehe, dementsprechend eine höhere.

Laut der FDP sollte man ab dem 60. Lebensjahr, wenn alle Altersvorsorgeansprüche mindestens das Grundsicherungsniveau erreichen, selbst entscheiden können, wann der wohlverdiente Ruhestand beginnt.

Zuverdienstgrenzen bei der Rente sollen abgeschafft und Teilrenten unkompliziert möglich gemacht werden.

Das allgemeine Finanzierungsproblem soll durch eine gesetzliche Aktienrente gelöst werden, bei der ca. 2 Prozent der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr in das Umlagesystem, sondern in einen Kapitalmarktfonds fließen (ganz nach schwedischem Vorbild).

Zudem fordern die Freien Demokraten eine Grundrente, die deutlich höher ist ls die bisherige Grundsicherung und den ärmeren Rentnern den Gang zum Sozialamt erspart. Die Basisrente soll dann von den Rentenkassen ausgezahlt werden.

Die Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge befindet sich ebenfalls als Punkt im Wahlprogramm.

Für mehr Generationengerechtigkeit soll ein demographischer Faktor mit in die Rentenanpassung aufgenommen werden: Rentensplitting für Verheiratete, verpartnerte und auch unverheiratete Eltern sowie eine flexible Aufteilung der Rentenansprüche.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge wie Riester- und Rürup-Renten möchte die FDP flexibler und übertragbarer ausgestalten, sodass ein Anbieterwechsel möglich wird.

Die Linke

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Bereits ab Seite 21 geht es im Wahlprogramm der Linken „Zeit zu handeln. Für soziale Sicherheit, Frieden und Klimagerechtigkeit“ um das Thema Rente. Über drei Seiten hinweg stellt die Partei ihre Rentenpläne vor.

Als Sofortmaßnahme soll das Rentenniveau auf 53 Prozent angehoben werden. Wer eine aktuelle Durchschnittsrente von 1.048 Euro bekommt, würde dann 104 Euro mehr im Monat erhalten.

In die gesetzliche Rentenversicherung sollen zukünftige alle Erwerbstätigen, also auch bisher nicht versicherte Selbstständige, Freiberufler, Beamte, Manager und Politiker einzahlen müssen.

Gleichermaßen verspricht Die Linke eine Mindestrente von 1.200 Euro. Niedriglöhne sollen bezüglich des Rentenanspruches besser bewertet werden, indem die „Rente nach Mindestentgeltpunkten„, die es bis ins Jahr 1992 gab, reaktiviert wird.

Ausbildungszeiten, Zeiten der Erwerbslosigkeit, der Kindererziehung als auch der Pflege sollen für die Renten ebenfalls besser bewertet werden.

Das Renteneintrittsalter soll wieder auf 65 abgesenkt werden und wer bereits 40 Jahre eingezahlt hat, soll schon ab 60 ohne Abschläge in Rente gehen können.

Für Langzeitarbeitslose fordert Die Linke Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung und für Eltern je Kind zusätzliche Rentenpunkte.

Die betriebliche Altersvorsorge soll größtenteils vom Arbeitgeber als Sozialleistung finanziert und die Doppelbesteuerung der Rente komplett abgeschafft werden.

„Ostrenten ans Westniveau angleichen“ findet sich auch als Punkt im Wahlprogramm der Linken wider.

Bündnis 90/Die Grünen

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Deutschland. Alles ist drin.“ so betiteln Bündnis90/Die Grünen ihr Wahlprogramm. Um die Rente geht es auf Seite 62 in zwei kleinen Absätzen.

Die Grünen möchten das Rentenniveau von 48 Prozent langfristig sichern und so verhindern, dass immer mehr Menschen auf Grundrente angewiesen sind.

Damit das gelingt, soll die Frauenerwerbstätigkeit erhöht (z.B. durch ein Rückkehrrecht in Vollzeitanstellung), ein modernes Einwanderungsgesetz eingeführt und die Beschäftigungssituation von älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen verbessert werden.

Im Rahmen einer von Bündnis90/Die Grünen geplanten „Bürgerversicherung“ sollen bisher nicht Versicherte wie Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen.

Zusätzlich soll sich die Grundrente zu einer „echten Garantierente“ entwickeln, das Renteneintrittsalter bei 67 beibehalten und ein früheres oder späteres Ausscheiden aus dem Arbeitsleben erleichtert werden.

Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge in Form eines Bürgerfonds soll die gesetzliche Rente in Zukunft ergänzen. Arbeitgeber sollen grundsätzlich eine betriebliche Altersvorsorge anbieten.

Quellen: mdr.de, tagesschau.de

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