Wie bereits in unseren letzten Beiträgen wird es auch in diesem wieder um die Bundestagswahl 2021 gehen. Am 26. September 2021 wird schließlich gewählt. Viel Zeit ist bis dahin nicht mehr.

Vor kurzem haben wir uns angeschaut, was die einzelnen Parteien in Bezug auf Steuern und Finanzen sowie Rente planen. Nun wollen wir genauer hingucken, was die unterschiedlichen Wahlprogramme für Aktionäre bzw. Anleger bedeuten würden.

Es könnte für Aktionäre deutlich teurer werden

Steuererhöhungen, Vermögensabgaben und eine Finanztransaktionssteuer – für Anleger sieht es mit Blick auf die kommende Bundestagswahl nicht besonders rosig aus.

In vielen Parteiprogrammen schlummern böse Überraschungen, weshalb vor allen Dingen wir Aktionäre uns überlegen sollten, wen wir wählen.

Die Vorschläge, welche uns Aktionäre betreffen, sind kaum verwunderlich. Wir Deutschen sind kein Volk der Aktionäre. Finanzielle Bildung ist bei vielen fehl am Platz. Sie denken bei der Börse nämlich an Casino und die „Zockerei der Reichen“.

Zunehmend macht sich außerdem eine negative Grundhaltung gegen Privatanleger in der Bevölkerung breit, welche vor allen Dingen aufgrund einiger unwissenden Aussagen von bestimmten Politikern angestoßen wurde. Die Verbindungen der Börse zu neuen Innovationen und der Erschaffung von Arbeitsplätzen sehen viele nicht.

Wohneigentum ist in anderen Ländern ebenfalls stärker verbreitet. Bei der Vermögensbildung steht Deutschland deshalb schlecht dar. Beim Pro-Kopf-Vermögen kommen wir in einem Vergleich mit den größten Nationen gerade einmal auf Platz 18.

Es ist ein Trauerspiel, da es auch kaum politische Anreize gibt, die momentane Situation zu verbessern. Viel eher stehen in den meisten Wahlprogrammen Ideen, die Anleger und Aktionäre vor den Kopf stoßen.

Was von diesen Ideen im Endeffekt umgesetzt wird, ist natürlich fraglich, aber die Richtung ist klar und richtet sich gegen den privaten Vermögensaufbau.

Im Folgenden schauen wir uns die Wahlprogramme der sechs größten Parteien genauer an. Was lässt sich in Bezug auf die Börse und uns Aktionäre finden?

Was planen CDU/CSU?

CDU/CSU Logo - Bundestagswahl 2021
CDU/CSU Logo

Die Union möchte den privaten Vermögensaufbau grundsätzlich stärken. Konkret wird man im eigenen Wahlprogramm allerdings nicht – Wie soll gestärkt werden?

Der Fokus richtet sich auf die betriebliche Altersvorsorge, in die jeder Angestellte künftig automatisch investieren soll, außer er widerspricht ausdrücklich.

Außerdem sollen laut CDU/CSU der Sparerpauschbetrag und die Arbeitnehmersparzulage steigen. Die vermögenswirksamen Leistungen sollen erweitert werden.

Die obigen Dinge sind nahezu die einzigen, auf die konkret eingegangen wird. Positiv zu erwähnen ist jedenfalls, dass die Union in ihrem Wahlprogramm weitere Steuern ablehnt, welche die private Vermögensbildung erschweren.

Trotzdem setzt man sich für eine europäische Finanztransaktionssteuer ein, die vorbildlicherweise nicht Kleinanleger sondern vor allem Trader betreffen soll.

Was plant die SPD?

SPD Logo - Bundestagswahl 2021
SPD Logo

Olaf Scholz lässt sein Geld als Finanzminister ja bekanntlich auf dem Sparbuch. Was plant wohl die SPD für Aktionäre?

Nichts Gutes. Das steht fest.

Den Sparerpauschbetrag für steuerfreie Kapitalerträge will sie nicht anheben. Außerdem soll weiterhin neben der Abgeltungs- und Kirchensteuer der Solidaritätszuschlag für Kapitalerträge erhoben werden.

Die Sozial Demokraten fordern gleichermaßen eine Finanztransaktionssteuer, die für jegliches Börsengeschäft anfällt und deshalb auch Kleinanleger belastet.

Für Immobilienbesitzer hat man sich in gleicher Weise eine „Nettigkeit“ überlegt. Die Spekulationsfrist soll abgeschafft werden, sodass auf Veräußerungsgewinne der eigenen Immobilie nach 10 Jahren wieder Steuern anfallen und die Gewinne nicht weiterhin steuerfrei bleiben.

Von der Riester-Rente wendet sich die SPD ab und möchte ein kostengünstigeres Produkt einführen, das die geförderte private Altersvorsorge unterstützt. Steuerliche Zuschüsse soll es allerdings nur noch für untere und mittlere Einkommensgruppen geben.

Was plant die AfD?

AfD Logo - Bundestagswahl 2021
AfD Logo

Im Wahlprogramm der Alternative für Deutschland hat man sich vor allen Dingen auf den deutschen Sparer fokussiert, der sein Geld auf dem Sparbuch anlegt.

Durch die Null- und Minuszinspolitik der EZB würde jeder von uns systematisch enteignet werden. Als Lösung schlägt die AfD deshalb den Austritt aus der Eurozone und die Wiedereinführung der D-Mark vor.

Eine gute Idee ist das wohl kaum, weshalb diese Partei ebenfalls nichts Attraktives für Anleger und Aktionäre zu bieten hat.

Das einzig Positive ist, dass Grund- und Grunderwerbssteuer ganz wegfallen sollen.

Was plant die FDP?

FDP Logo - Bundestagswahl 2021
FDP Logo

Deutlich anders sieht es bei der FDP aus.

Sie will eine gesetzliche Aktienrente einführen, in die zwei Prozent der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung fließen sollen. Außerdem sollen Riester- und Rürup-Renten „entbürokratisiert“ werden. Das dürfte viele Aktionäre und Anleger unter uns freuen, da es die Börse mehr in den Vordergrund der Gesellschaft rücken würde.

Zusätzlich wollen die Liberalen den langfristigen Vermögensaufbau fördern, indem sie die in 2009 abgeschaffte Spekulationsfrist wieder einführen würden.

Nach drei Jahren Haltefrist (damals war es nur ein Jahr) sollen Veräußerungsgewinne aus Wertpapierverkäufen steuerfrei bleiben.

Nicht zu vergessen ist, dass die FDP den Sparerpauschbetrag deutlich anheben möchte und für künftige Immobilienkäufe einen hohen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer gewähren will.

Was plant die Linke?

Die Linke Logo - Bundestagswahl 2021
Die Linke Logo

Die Linke hat unter den sechs Parteien wohl die härtesten Ideen in Bezug auf den privaten Vermögensaufbau.

„Hohe Vermögen und Einkommen, Erbschaften und Gewinne aus Kapital und Aktien müssen stärker besteuert werden.“ – ein kurzer Ausschnitt aus dem Wahlprogramm.

Aktionäre und Immobilienbesitzer seien Spekulanten, denen die Linke das Handwerk legen will. Im Konkreten soll ein Anti-Spekulationsgesetz eingeführt werden, das dafür sorgen würde, dass Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien nach zehn Jahren nicht mehr steuerfrei sind und Finanzprodukte nur noch zugelassen werden, wenn sie „der Gesellschaft dienen“.

Was das konkret bedeuten soll, weiß keiner.

Kryptowährungen wollen die Linken übrigens auch verbieten. Außerdem soll die kapitalgedeckte Altersvorsorge komplett abgeschafft werden.

Was planen Bündnis 90/Die Grünen?

Bündnis 90/Die Grünen Logo - Bundestagswahl 2021
Bündnis 90/Die Grünen Logo

Bündnis 90/Die Grünen planen überraschenderweise, einen Staatsfonds zu gründen, der am Kapitalmarkt investiert. Zumindest lässt sich das so in ihrem Parteiprogramm nachlesen.

Der Staatsfonds (im Wortlaut der Grünen: „Bürgerfonds“) soll als sinnvolle Ergänzung zum Renten-Umlagesystem eingeführt werden, aber nur in nachhaltige Produkte investieren dürfen.

Trotz dieser positiven Nachricht für uns Aktionäre hat das Wahlprogramm von Bündnis 90/Die Grünen noch einige böse Überraschungen zu bieten.

Unter anderem soll die Abgeltungssteuer abgeschafft werden, was für viele Anleger eine saftige Steuererhöhung bedeuten würde, da die Gewinne in einem solchen Fall künftig mit dem individuellen Steuersatz besteuert werden.

Ebenfalls sollen die noch für einige Anlagen geltenden Spekulationsfristen abgeschafft werden, was vor allen Dingen Veräußerungsgewinne aus Immobilien, Edelmetallen und Kryptowährungen betreffen würde. Gewinne wären dann unabhängig von der Haltedauer zu versteuern.

Fazit: Wenig Hoffnung für Anleger

Außer der FDP machen fast alle Parteien uns Aktionären und Anlegern das Leben schwer.

Vermögen aufbauen und privat für das Alter vorsorgen wird wohl in Zukunft noch mehr erschwert, als es jetzt schon wird. In vielen Wahlprogrammen befinden sich wirtschafts- und vor allen Dingen kapitalfeindliche Ideen.

Dennoch solltest du natürlich nicht nur aufgrund der finanziellen Pläne der Parteien deine Wahlentscheidung treffen. Es gibt noch zahlreiche weitere wichtige Aspekte.

Ausschließlich bei der gesetzlichen Rentenversicherung wird vermutlich der richtige Weg eingeschlagen, hin zu einer Vorsorge über den Kapitalmarkt. In Bezug auf eine konkrete Veränderung sind die Ideen trotzdem sehr unterschiedlich.

Wahrscheinlich läuft es auf ein ähnliches Modell wie in Schweden hinaus. Das wäre für Deutschland geradezu innovativ und würde viele Aktionäre freuen – auch wenn sie nach der Bundestagswahl erheblich mehr belastet werden würden.

Quellen: t-online.de

Inhalte werden geladen